Minimalistische Fotografie

Minimalistische Fotografie oder Minimalismus ist eine Form der Fotografie, wo ein Bild auf das wesentliche reduziert wird. Das können Farben, Grautöne, grafische Elemente oder einzelne oder nur wenige Motive im Bild sein. Im Zusammenhang mit der Minimalistischen Fotografie wird man häufig Aussagen, wie: „Weniger ist mehr“ und „auf das wesentliche konzentriert“ zu hören bekommen. Allerdings ist weniger nicht automatisch minimalistisch.

Minimalistische Fotografie - zerknittertes Papier
Minimalistische Fotografie – zerknittertes Papier

Der Ursprung vom Minimalismus

Minimalismus kann es in verschiedenen Formen der Kunst und des Lebens geben. Minimalismus gibt es als Lebensstil, in der bildenden Kunst, Architektur, Musik und Linguistik. Mein Artikel behandelt die bildende Kunst. Im englischen Sprachraum spricht man auch von Minimal Art.

Der britische Kunstkritiker Richard Wollheim erwähnte den Begriff in seinem Artikel Minimal Art im Art Magazin vom Januar 1965 zum ersten Mal. Der Minimalismus in der Kunst entstand in den USA in den 60er Jahren als künstlersiche Gegenbewegung des abstrakten Expressionismus. Man versuchte sich mit dem Minimalismus auch von den euopäischen Traditionen abzugrenzen.

Gemäß Wikipedia ist Minimalismus ein Streben nach Objektivität, schematische Klarheit, Logik und Entpersönlichung. Oft wird auf einfache, übersichtliche und geometrische Grundstrukturen, zum Teil mit Wiederholungen, reduziert. Mögliche Themen und Kontraste entstehen durch eigene Ordnungen von Anfang und Ende oder Fülle und Leere. Ursprünglich hatte dieser Kunststil keinen Einfluß in der Fotografie. Ende der 60er Jahren wurde diese Stilrichtung von den ersten Fotografen aufgenommen. Allerdings selten als eigenständige Kunstsform, sondern mehr als Einfluß in neue Schaffenswerke.

Definition der minimalistischen Fotografie

Bevor es den Begriff minimalistische Fotografie gab, wurde auch schon davor in der Fotografie durch Reduzierung von Farben und Formen in einem minimalistischen Stil fotografiert. Aber erst durch die Entwicklung und Anerkennung in der 60er Jahren wurden solche Fotowerke auch als Kunstform anerkannt. Damit ist aber nicht jedes minimalistische Foto ein Kunstwerk.

Seit der Enstehung der Kunstform des Minimalismus sind einige Jahrzehnte vergangen. Heute wird von vielen Fotografen und Fotokünstlern die minimalistisiche Fotografie freier interpretiert. Der Ursprüngliche Minimalismus fand seinen künstlerischen Ausdruck in der Gestaltung von Skulpturen und in der Architektur. Wobei er auch Einfluß auf einige Maler der damaligen Zeit hatte. Inzwischen wurde die Grundidee auch in der Fotografie aufgegriffen. Wer auf Instagram nach #minimalism sucht, wird viele Millionen Bilder entdecken. Wobei viele dieser Bilder nicht wirklich was mit der Kunstform Minimalismus zu tun haben. Aber das liegt wohl an der freien Interpretation, welche viele Menschen anwenden. Oft ist Minimalismus nicht als Kunstform bekannt. Da wird automatisch ein reduziertes Bild als Minimalismus deklariert.

Minimalistische Fotografie - Wand in orange
Minimalistische Fotografie – Wand in orange

Die minimalistische Fotografie versucht eine Konzentration weniger Bildkomponenten auf das wesentliche zu reduzieren. Der Fotograf gestaltet durch die gezielte Auswahl der Motive und des Bildausschnittes. Sowohl Motiv, Farben und Formen können minimalistisch reduziert werden. Aber auch die mehrfache Wiederholung eines Motives stellt eine Form des Minimalismus dar. Ein minimalistischer Fotograf schärft seinen Blick für Motive extrem. Er muß Dinge erkunden und darstellen können, welche die meisten Menschen überhaupt nicht wahrnehmen. Er bringt unscheinbares und ungewohnte Sichten zum Vorschein.

Minimalistische Fotografie 2022

Was versteht man heute unter minimalistischer Fotografie? Ein Kunstdozent wird strenge Grenzen, ähnlich der oben genanten Definition, ziehen. Was dem nicht entspricht, ist auch keine minimalistische Fotografie. Ein Fotograf oder Betrachter wird unter minimalistischer Fotografie auch noch weitere Motive diesem Genre zuordnen. Seine Gedanken sind nicht in eine Kunst-Definition eingezwängt. Er interpretiert alles minimalistisch dargestellte als minimalistische Fotografie. Ich bin kein Professor für Kunstgeschichte. Ich bin Fotograf und Bildbetrachter. Ich würde heute minimalistische Fotografie im weitesten Sinne fast jedes auf das wesentliche reduzierte Motiv ansehen. Aber das soll jeder für sich selbst entscheiden. Am Ende muß mir ein Foto gefallen. Da ist es mir egal ob minimalistisch oder nicht.

Beispiele für minimalistische Fotografie

Sicherlich werden Kunstexperten nicht jedes meiner fotografischen Werke als minimalistische Fotografie ansehen. Für mich entsprechen die folgenden Motive diesem Genre.

Minimalistische Fotografie - Blüte als Hoffnungsschimmer
Minimalistische Fotografie – Blüte als Hoffnungsschimmer

Ist ein Makrofoto auch schon Minimalismus? Bei dem Motiv würde ich das Bild als minimalistisch ansehen. Rosa Blüte einer Wüstenrose auf monochromen Unter- und Hintergrund des alten Holzes. Zumindest die Farbe wurde auf das Wesentliche minimiert.

Minimalistische Fotografie - Grauer Alltag
Minimalistische Fotografie – Grauer Alltag

Ganz klar Minimalismus. Warum? Die Muster durch die Steine wiederholen sich. Die Steine sind immer fix. Die Bewegungsunschärfe des zweiten Beines der Person steht mit der Bewegung im Kontrast zu den fixen Steinen. Obwohl ich in Farbe fotografiert habe, wirkt das Bild monochrom. Wie ein Schwarzweißfoto.

Minimalistische Fotografie - zerknittertes Papier
Minimalistische Fotografie – zerknittertes Papier

Auch das Foto vom zerknitterten Papier ist für mich minimalistisch. Im Prinzip ist es auch abstrakt? Monochrom gehalten um den minimalistischen Eindruck zu unterstrreichen. Die unregelmässigen Knicke und Falten mit Licht und Schatten lassen das Blatt Papier wie eine abstrakte Landschaft aus der Vogelperspektive erscheinen.

Meine Meinung über die minimalistische Fotografie

Der Begriff entstand in erster Linie aus objektbezogenen Kunstformen. Das auch Maler und später auch Fotografen diese Kunstform in ihre Werke einfließen ließen, war nur eine Frage der Zeit. Ob man solche Fotowerke dieser Kunstform zuordnen kann, sollen bitte Kunstexperten entscheiden. Ich bin keiner. Ich halte es so, wie vermutlich die meisten fotografierenden Menschen? Ich würde die meisten Motive die stark reduziert sind als minimalistische Fotografie ansehen. Wenn ich mich bei Instagram unter #minimalism umsehe, ist darunter auch viel normales Bildmaterial zu finden. Scheinbar kennen viele die Bedeutung von minimalism nicht? Oder sie versuchen über den Hashtag nur weitere Besucher auf ihren Instagram-Account zu locken?

Unabhängig davon kann eine bewusste minimalistische Fotografie das fotografische Sehen schärfen. Man muß sich mit einem Motiv wesentlich intensiver auseinandersetzen. Man wird es von vielen Seiten und Blickwinkeln betrachten. Man muß ein Motiv vor der Aufnahme studieren. Nur so wird man in den meisten Fällen ein minimalistische Foto gestalten können.

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