Fotografie gegen Langeweile in Zeiten von Corona

Der Corona-Virus schränkt derzeit die Menschen in ihrer gewohnten Mobilität stark ein. Seit über drei Wochen sitze ich im Homeoffice und arbeite für meinen Arbeitgeber von dort mit einem Laptop. Im Büro habe ich zwei 24″ Monitore am Arbeitsplatz. Da ist ein kleiner Laptop-Monitor ganz schön einschränkend. Scrollen erfordert einen höheren Zeitaufwand als im Büro. Für mich war das keine effiziente Arbeitsweise. Inzwischen habe ich mir ein HDMI-Kabel organisiert und kann den Laptop an meinen privaten 27″ Monitor anschließen. Und eine unbenutzte Tastatur und Maus mit Kabel hatte ich auch noch im Keller in Reserve. Damit kann man schon viel besser arbeiten. Das manche Software auf dem Laptop und über den VPN-Server der Firma manchmal rumzickt, steigert die persönliche Improvisationsfähigkeit. Leider werden dadurch auch manchmal die Nerven bis zum Limit beansprucht. Auf der anderen Seite steigern solche Situation auch die Geduld und Leidensfähigkeit.

Das Homeoffice hat aber auch Vorteile. So spare ich mir täglich über 2 1/2 Stunden Arbeitsweg. Diese verfügbare Zeit kann man in seine Hobbies und andere Freizeitbetätigungen investieren. Inzwischen habe ich es mir angewöhnt, daß ich fast jeden Morgen das Haus gegen 6 Uhr verlasse. 45 bis 60 Minuten wandere ich mit einer Kamera durch die Weinberge. Immer der gleiche Weg. Erstaunlicherweise entstanden dabei einige gute Fotos. Ich bin schon seit Jahrzehnten, ein Fan von Fotomotiven vor der Haustür. Für gute Fotos muß man nicht um die halbe Welt fliegen. Gute Fotomotive findet man vor jeder Haustür. So früh am Morgen sind kaum Menschen unterwegs. Manchmal begegnet mir ein Hund mit seinem Herrchen oder Frauchen. Oder ein einzelner Jogger dreht gerade seine Trainingsrunde. Meist begegnet mir kein anderer Mensch.

Auf diesem Spaziergang entdecke ich erstaunlich häufig neue Fotomotive oder es entstehen neue Fotoideen! An manchen Motiven bin ich bereits viele Male achtlos vorbei gelaufen. Manchmal ist es nur eine Frage des Standpunktes. Ein Schritt nach rechts oder links, eröffnet eine neue Sicht. Plötlich scheint die Sonne beim aufgehen durch die Äste eines Busches. Mit dem richtigen Aufnahmewinkel bekommt man einen Sonnenstern in das Foto gezaubert. Ein langweiliges Motiv sieht plötzlich großartig aus. Back to the roots. Fotografie ist mit Licht malen.

Alte knorrige Rebe im Weinberg
Alte knorrige Rebe im Weinberg

Sehr vorteilhaft bei meinen fotografischen Umsetzungen, ist das Fuji-X-Kamerasystem. Nein, ich bekomme von Fuji keine Unterstützung. Ich bin einfach nur vom X-Fuji-Kamerasystem begeistert. Bei der Morgenwanderung bin ich mit der Fuji X-T2 einem Objektiv und dem kleinsten Stativ ausgerüstet. Manchmal hatte ich auch das normale Stativ dabei.

Dämmerung Rebe im Weinberg
Dämmerung Rebe im Weinberg

Für eine kurze Wanderung ist es allerdings doch sehr lästig beim tragen. Häufiger nutze ich ein kleines Tischstativ. Erstaunlicherweise eröffnen sich durch die Froschperspektive neue Sichtweisen.

Strasse im Weinberg
Strasse im Weinberg

Diese Straße führt den Weinberg hinauf. Jeder Morgen kann ein anderes Licht bringen.

Morgendämmerung im Weinberg
Morgendämmerung im Weinberg

Das erste Foto der Weinbergstrasse wurde weiter oben aufgenommen. Mit Tischstativ in niedrigster Perspektive. Das zweite Foto der Weinbergstrasse entstand an einem anderen Morgen mit normalen Stativ. Die Aufnahmehöhe ist etwas höher, obwohl ich es in minimalster Höhe aufgestellt hatte. Allerdings hatte ich nur die normale, lange Mittelsäule dabei. Zu Hause lag die kurze Mittelsäule. Mit der wäre ich noch weiter nach unten gekommen. Dennoch gefallen mir beide Fotos sehr gut. Am ersten die Froschperspektive mit dem gelben Lichtschimmer der irgendwann aufgehenden Sonne. Beim Zweiten gefällt mir das Licht der blauen Stunden hervorragend. Richtig mystisches Licht.

Obstbaum mit Sonnenstern
Obstbaum mit Sonnenstern

Ich weiß nicht wie häufig ich an diesem Obstbaum achtlos vorbei gelaufen bin? An diesem Morgen schimmerte die Sonne durch die Büsche im Hintergrund. Mit einem Tischstativ wurde ich zur Froschperspektive genötigt. Das Licht war sehr schön. Ein Sonnenstern entstand durch die Lichtbrechung an den Ästen und durch Blende 16.

Windkrafträder in der Morgendämmerung
Windkrafträder in der Morgendämmerung

Auch im Remstal gibt es vereinzelt die ersten Windraftanlagen. Als Landschaftsfotograf empfinde ich diese meist als störendes Objekt. In der Morgendämmerung mit den roten Lichtern ist es wiederum ein interessantes Fotomotiv.

B29 bei Geradstetten
B29 bei Geradstetten

Aus dem Weinberg musste ich mit Blick auf die B29 auch einmal Langzeitbelichtungen machen. Mit einem 90 mm Tele und 21 Sekunden Belichtungszeit entstand diese Aufnahme mit verwischten Autoscheinwerfern.

Weinberg am Morgen
Weinberg am Morgen

Ein Weinberg in der blauen Stunde. Na ja, die blaue Stunde hat auch mal rötlich bis violette Farbnuancen. Durch ein 90 mm Tele sieht man nur den rötlichen Farbschimmer.

Sonnenaufgang Streuobstwiese
Sonnenaufgang Streuobstwiese

Diesen Fotospot habe ich durch Zufall erst gestern entdeckt. Ein kleiner Feldweg führte von meiner normalen geteerten Wandertour dorthin. Lediglich 50 bis 100 m davon entfernt. Und plötlzich zeigte sich mir eine neue Sicht auf die aufgehende Sonne. Eine steile Streuobstwiese vor einem Weinberg. Der alte tote Baumstamm erschien mir ein fotogenes Motiv für den Vordergrund. Eine halbe Stunde warten bis die Sonne hinter dem Hügel sich zeigte.

Blühender Obstbaum im Sonnenaufgang
Blühender Obstbaum im Sonnenaufgang

Das letzte Foto ist auch von der Streuobstwiese. Ein paar Meter nach unten und rechts im Bild einen blühenden Obstbaum im goldenen Schnitt positioniert. Die Sonne ist bereits am aufgehen. Der Sonnenstern ist trotz Abblenden bereits schwieriger realisierbar. Dennoch gab es noch ein paar Sonnenstrahlen. Zwei Flares gab es auch. Bei dem XF 14mm entstehen Flares relativ selten. Ich habe die Flares bewusst belassen. Ohne Flares sehen mir manche Fotos zu clean aus. Und in Holywood nehmen die Kameraleute meist alte Objektive, damit sie bei Gegenlicht solche Flares in ein Bild zaubern können.

Drei Wochen und ein Tag Homeoffice. Inzwischen gehe ich jeden Werktag eine gute Stunde im Weinberg auf Fotospaziergang. Die Fotomotive gehen mir bisher nicht aus. Im Gegenteil. Ich habe bereits weitere Fotoideen, welche ich in dieser Stunde umsetzen möchte.

Gestern waren ich allerdings zwei Stunden unterwegs. Wir sollen unsere Überstunden abbauen. So habe ich einen Tag Gleitzeit genommen und hatte etwas mehr Zeit und Muse für die Fotografie. Überstunden-Abbau könnte ein Zeichen für kommende Kurzarbeit sein? Man wird sehen. Sollte dieser Fall eintreten, hätte ich noch mehr Zeit zum Fotografieren. Langweilig wird es mir dabei nicht. Für mich sind die Fototouren Entspannung und Entschleunigung.

Solange es keinen wirksamen Impfstoff gegen Corona gibt, wird unser Leben weiterhin anders als bisher ablaufen. Mit der Fotografie und anderen Hobbies kann ich damit ganz gut umgehen. Und die neuen Fotos kann ich bei Bildagenturen zum Verkauf anbieten. Ich bin selbst erstaunt, daß ich nicht mehr Fotos im Studio mache? Irgendwie zieht es mich derzeit lieber in Natur.

Was fotografiert ihr in Corona-Zeiten?

One Response

  1. Ralf 5. April 2020

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