Machen Stockagenturen den Bildermarkt kaputt?

Die Grundidee der Stockagenturen gibt es wohl bereits seit etwa 90 Jahren!

Die erste Bildagentur wurde 1920 vom Fotografen H. Armstrong Roberts gegründet. Diese gibt es auch heute noch www.robertstock.com! Auch dort werden Fotos online verkauft!

Einen großen Erdrutsch in der Branche gab es wohl in den 1990er Jahren. Die beiden Millardäre Bill Gates mit der Bildagentur Corbis und Paul Getty mit Getty Images kaufen insgesamt um die 40 Bildagenturen am Weltmarkt ein. So etwas gibt es wohl in fast jeder Branche und nennt man Marktkonzentrierung. Natürlich wird so auch der Markt um einige Wettbewerber reduziert.

Der richtige Durchbruch für Online-Stockagenturen erfolgte allerdings erst in den letzten 5 bis 10 Jahren.

Durch das Internet und die Digitalisierung der Fotografie gab es plötzlich zwei stark verbesserte Faktoren um schnell Bildmaterial erstellen und bereitstellen zu können. Durch immer besser werdende Computer und schnellere Internetzugänge reduzierten sich auch die Downloadzeiten für größere Bilddateien. Die Grundlagen für die Stockagenturen waren geschaffen.

Nun gibt es bei vielen traditionelen Berufsfotografen die Meinung „Online-Stockagenturen machen den Bildermarkt kaputt!“

Der Tod für klassische Bildagenturen?

Der Tod für klassische Bildagenturen?

Meiner Meinung nach ist diese Betrachtungsweise zu Schwarz-Weiß. Dazwischen gibt es noch jede Menge Grauabstufungen die dabei unter den Tisch fallen.

Und es gehört nun einmal zu unserem Leben, dass sich durch technische Änderungen auch manche Dinge verändern.

Aber auch unter den Berufsfotografen gibt es solche und solche. Wer sich in einem Bereich spezialisiert hat und dort Stammkundschaft hat, wird sicherlich weiterhin gut verdienen können. Wer aber bisher oft von Bildagenturen abhängig war, wird sich sehr schwer tun oder muß seine Fotothemen dem großen Markt anpassen. Dazu gehört natürlich auch eine sehr gute Organisation. Shootings und der anschließende Workflow müßen sehr effektiv abgestimmt werden um in minimaler Zeit möglichst viele brauchbare Agenturfotografien produzieren zu können.

Wer dies nicht will oder kann, wird sehr schnell den Anschluß verlieren.

Mich erinnert diese Diskussion an manch andere Veränderung in der Fototechnik.

  • TTL-Belichtungsmessung in den 1960er Jahren mit der Pentax Spotmatic
  • Die erste Kamera mit Autofocus
  • Die ersten digitalen Kameras
  • Analoge contra digitale Fotografie
  • Hat Bildbearbeitung etwas mit Fotografie zu tun?

Die sind nur ein paar Themen die mir spontan einfallen, die ich im Fotohandel und unter Fotografen selber in fast endlosen Diskussionen miterlebt habe.

Zuerst schimpfen fast alle darüber. Danach nutzen die ersten die neuen Möglichkeiten und erarbeiten sich dadurch meist qualitative Vorteile. Die ersten Neider melden sich zu Wort. Der Erfolg lockt anderseits meist gleichzeitig immer mehr Nachahmer an. Danach folgt der Großteil um an den Qualitätsstandard anzuschließen. Nach einigen Jahren diskutiert keiner mehr darüber, weil dies plötzlich alles normal ist. Die veraltete Technik wird dann meist noch von Nostalgikern und Puristen gepflegt.

Ich denke dass die Online-Stockagenturen den Bildermarkt nicht kaputt machen werden.

Die klassischen Agenturen, die Nischen bedienen wird es weiterhin geben. Wer sich nicht spezialisiert wird es sicherlich schwerer haben.

Wer Online-Stockagenturen nicht nutzt, verschenkt Einnahmemöglichkeiten!
Zwar sind die Provisionen nicht so hoch wie bei klassichen Bildagenturen. Dafür werden aber auch in den meisten Fällen nur Bildlizenzen mit Einschränkungen vergeben. Will ein Käufer weitreichender Lizenzen, muß er auch bei den meisten Stockagenturen mit Aufpreisen tiefer in die Tasche greifen. Ob dies immer fair praktiziert wird, ist allerdings für den Fotografen nicht nachvollziehbar.
Und wer seine aufwändig produzierten Fotos nicht unter einem bestimmten Wert verkaufen möchte, kann dies auch über einzelne Stockagenturen, die sich auf das hochpreisige Stocksegment spezialisiert haben. Die Verkäufe sind da geringer. Aber das gleicht sei meist durch hohe Provisionen aus.

Leider erfährt man bei den wenigsten Stockagenturen nicht, an wenn die Bildlizenz verkauft wurde. In den wenigen Fällen wo ich informiert wurde, war ich doch sehr erstaunt, wie viele Konzerne und Großunternehmen sich bei Stockagenturen bedienen! Wer dort keine Bilder anbietet wird auch nichts vom Kuchen abbekommen. Selbst meine IHK-Mittlerer Neckar bedient sich seit einiger Zeit bei Fotolia.

Ein weiterer Kundenkreis wird sich dem Nicht-Stockagenturfotografen ebenfalls verschließen. Inzwischen bedienen sich auch viele Webdesigner und sogar private Blogger und Webmaster bei den günstigen Stockagenturen. Diesen neuen Kundenkreis, der nicht unbeträchtlich ist und sicherlich noch weiter am wachsen sein wird, bleibt dem der keine Bilder bei Stockagenturen anbietet, ebenfalls verschloßen.

Fotografen die sich spezialisiert haben und eine Stammkundschaft aufgebaut haben, werden wohl kaum die Billig-Stockagenturen bedienen wollen. Diese haben es ja auch nicht nötig.

Fotografen die von Agenturen abhängen, werden sich überlegen müßen, ob sie ihr fotografisches Spektrum nicht ergänzen, erweitern oder sogar umstellen?

Hier gibt es sicherlich auch noch für viele Berufsfotografen Spielraum für weitere Produkt-Felder und Einnahmemöglichkeiten. Manche Berufsfotografen konzentrieren sich als weiteres Standbein bei der Stockfotografie auf realistische Fotomotive die von Webgrafikern gerne eingesetzt werden. Diese werden in vielen Varianten und Spielformen fotografisch umgesetzt und auch häufig gut bis sehr gut verkauft. Man muss nur die passende Marktlücke finden.

Übrigens gibt es auch bei den Microstockagenturen einen harten Verdrängungswettbewerb. In den letzten Wochen und Monaten haben bereits einige das Handtuch geworfen. Andere kleinere und mittlere Microstockagenturen wurden von Großen übernommen. Die Marktkonzentration wird sicherlich noch weiter gehen. Welche Agenturen am Ende übrig bleiben ist aus heutiger Sicht reine Spekuklation.

Mein Fazit:
Mit einer straffen Ablauforganisation, Kreativität und Strategie kann man durchaus Geld mit Microstockagenturen verdienen.


Über Bernd

Bereits in meiner Kindheit musste ich Motive fotografisch festhalten. Durch eine Ausbildung im Fotohandel habe ich mich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit der Fotografie beschäftigt. Seit einigen Jahen fotografiere ich Nebenberuflich für Bildagenturen. Meine Erfahrungen aus der Theorie und Praxis möchte ich in diesem Fotoblog an andere Fotofans weiter geben.

3 Kommentare zu Machen Stockagenturen den Bildermarkt kaputt?

  1. Uwe Landgraf schrieb:

    Ich denke auch nicht, dass die Stockagenturen den Bildermarkt vernichten. Jeder Berufsfotograf sollte dem Mainstream folgen und sich ggf. umstellen oder auf spezialisieren.
    Das geht uns doch in jedem Job so. Wir sind nicht mehr auf dem Stand der 80er Jahre

  2. fotoARION schrieb:

    Ich glaube das Gegenteil ist der Fall. Da professionelle Bilder günstiger werden, verwenden immer mehr solche Bilder. Das Volumen steigt also.

  3. nikonman schrieb:

    Stockfotografie,besonders Mikrostock, ist eher keine zusätzliche Einnahmequelle für Fotografen.Bei Istock gibt es etwa 60000 Fotografen, 270 davon sind für ein Drittel alle Downloads verantwortlich.Nachzulesen bei http://www.picturetom.com/2009/01/12/bildermarkt-marketing-und-strategien-fuer-2009/
    Es gibt auch keine Marktlücken mehr im Stockbereich, wo man gut verdienen könnte.Als Yuri eingestiegen ist, hat er sich auf die damals vorhandenen Marktlücken konzentriert und viel Geld gemacht. Diese Zeiten sind vorbei.Übrigends steigt zwar das Volumen im Bildermarkt. Das Budget, welches weltweit für Stockfotos ausgegeben wird, geht aber zurück.Wo in Zukunft viel Geld zu machen ist, wird Video sein. Nicht unbedingt Footage über Stockagenturen. Sondern kleine Firmen, welche Imagefilme für Internetauftritte von Firmen machen.

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