Interview mit dem Wettbewerbsfotografen Bernd Schmidt

Da ich derzeit einige Interviews an andere Fotografen versendet habe, diese aber leider noch auf sich warten lassen, kam mir der Gedanke einfach mal ein Interview mit mir selber zu machen!

Ok, nun mag schon manches in meiner Vita nachzulesen sein. Aber es gibt sicherlich noch einiges, was über meine Person als Fotograf noch nicht bekannt ist? Diese Lücken werde ich versuchen mit diesem Interview zu reduzieren.

Hallo Bernd, wo kommst du her, wo wohnst du derzeit …?

Ich bin 1964 in Stuttgart geboren und in und um Stuttgart herum aufgewachsen. Heute wohne ich im Remstal östlich von Stuttgart gelegen und arbeite als Handelsfachwirt bei einem großen Industriekabelhersteller in Stuttgart-Vaihingen. Die Fotografie ist eines meiner vielen Hobbies. Fotografieren tue ich seit dem siebten Lebenjahr. Das wären somit bereits seit guten 38 Jahren 😉

Was versteht man unter einem Wettbewerbsfotografen?

Na ja, ein Fotograf der gezielt für Fotowettbewerbe fotografiert um dort Preise zu gewinnen. Allerdings habe ich meine Fotowettbewerbsaktivitäten in den letzten Jahren stark reduziert. Nicht weil mir die Fotografie weniger Spaß macht. Nein, weil sich durch das Internet leider auch die Qualität vieler Fotowettbewerbe verschlechtert hat. Viele Wettbewerbsausrichter erschleichen sich inzwischen durch die Teilnahmebedingungen die Verwertungsrechte von jedem eingesandten Foto! Sorry, das ist meiner Meinung nach unseriös. Aber das machen inzwischen auch sehr große Unternehmen um billig an viel Fotomaterial zu kommen.

Leider gibt es auch viele Fotografen die offenbar die Teilnahmebedingungen nicht genau lesen. Oder sich bereits freuen wenn sie ihr Foto irgendwo online sehen. Der Gewinner ist immer der Veranstalter, da er sehr viel Bildmaterial für ganz wenig Geld erhält.

Bernd, daß hört sich ja nicht so toll an. Gibt es da wirklich nur noch schwarze Schafe unter den Fotowettbewerben?

Nein, zum Glück nicht nur. Es gibt noch ein paar wenige hochwertige Wettbewerbe wo die Siegerbilder mit fairen Geld und Sachpreisen geehrt werden.
Man sollte vor der Teilnahme halt einen Blick in die Teilnahmebedingungen werfen. Wenn sich der Veranstalter das Recht nimmt jedes eingesendete Foto für Werbezwecke verwenden zu dürfen, ohne dafür entlohnen zu dürfen, sollte man von solch einem Fotowettbewerb Abstand nehmen.
Oder arbeitet irgend jemand in diesem Land für Null Euro?

Fallen dir spontan ein paar Wettbewerbe ein die sich lohnen könnten?

Ja, da gibt es einige. Einer der anspruchvollsten und größten ist der Trierenberg Super Circuit in Linz in Österreich. Ein künstlerisch sehr anspruchsvoller Wettbewerb wo es neben vielen Medailien auch einige Geld und oder Sachpreise zu gewinnen gibt. Allerdings hat man dort nur mit sehr gutem künstlerischem Fotomaterial Chancen auf einen Gewinn. Aber selbst wenn man dort ohne Geldpreis ausgeht, der umfangreich Farbkatalog alleine ist bereits eine Teilnahme wert. Mit dem Katalog erhält mein einen umfassenden Überblick über die künstlerische Fotoszene der Welt. Es dürfte wohl auch einer der wenigen Fotowettbewerbe sein, wo manch namhafter kreativer Profifotograf teilnimmt. Manche sogar jährlich! Also bitte auch nicht von der auf den ersten Blick hohen Teilnahmegebühr abschrecken lassen. Der Wettbewerbskatalog ist es alle mal wert.

Für Naturfotografen ist natürlich der Wildlife Photographer of the Year das fotografische Highlight. Wer es lieber in deutsch möchte dürfte bei den Glanzlichtern gut aufgehoben sein. Auch ein Naturfotowettbewerb wo zu verschiedenen Naturthemen Motive eingesendet werden können. Bei beiden gibt es ordentliche Geldpreise zu gewinnen. Für einen Gewinn muß man aber erstklassiges Fotomaterial mit eindrucksvollen Naturmotiven abliefern.

Was waren bisher deine größten Preise die bei Fotowettbewerben gewonnen hast?

Bei einem Fotowettbewerb von Kodak habe ich eine Leica M7 mit 2,8/50 Objektiv gewonnen. In der früheren Wettbewerbszeitschrift Foto Creativ habe ich einmal 1.000 DM und ein paar Mal 250 DM gewonnen. Bei einem der ersten Internetfotowettbewerbe in den USA habe ich drei Digitalkameras gewonnen. Und dann waren da noch viele kleinere Geld- und Sachpreise.

Frau in rot

Siegerfoto beim Kodak Fotowettbewerb

Was für Tipps kannst du unseren Lesern für bessere Wettbewerbsfotos geben?

Wer bei Fotowettbewerben erfolgreich sein will, sollte sich ernsthaft und intensiv mit der Fotografie beschäftigen. Dazu gehört das lernen durch Fachbücher, Internet und eine ausgiebige Diskussion mit Gleichgesinnten. Etwas lesen und etwas in ein Foto umsetzen sind erstaunlicherweise bei vielen Menschen zwei verschiedene Dinge.

Ich habe in vielen Fotoclubs Hobbyfotografen erlebt die konnten ein Foto hervorragend analysieren. Aber die wenigsten waren fähig, diese analytische Fähigkeit,  in bessere Fotos umzusetzen. Dies liegt offenbar inidividuell an persönlichen Fähigkeiten und Lernwillen. Für eine erfolgreiche Wettbewerbsfotografie ist auch ein stark entwickelter Ergeiz notwendig. Ausdauer ebenfalls. Und ein fototechnisches Verständnis und Wissen um eine bestimmte Bildidee  in ein Foto umsetzen zu können. Letzteres können nur sehr wenige Hobbyfotografen.

Aber da gibt es zum Glück auch noch ein paar einfache Tipps oder Hinweise die mit wenig Aufwand ein Bild ohne viel Aufwand gleich besser machen. Hier unter den Fototipps habe ich ja bereits einige erläutert. Die einfachsten zähle ich einfach noch einmal auf:

Dies sind zwar nur ein paar Möglichkeiten. Diese kann aber jeder sofort in die Tat umsetzen und die Ergebnisse sind doch spürbar besser. Aber die Liste könnte man sicherlich noch sehr viel länger ausführen. Aber weitere Fototipps werden in der Zukunft in der passenden Kategorie noch folgen. Oder ihr ladet einfach mein kostenloses eBook 11 Fototipps für Siegerfotos runter.

Wie kann man am schnellsten sein fotografisches Können verbessern?

Schwer zu sagen. Dies wird von Mensch zu Mensch sicherlich unterschiedlich sein. Ich würde zu Beginn das lesen von Fachbüchern empfehlen. Man sollte sich erst einmal die fototechnischen Grundlagen erarbeiten. Lesen, fotografieren und noch einmal lesen und fotografieren. So Begriffe wie Schärfentiefe, die Auswirkung der unterschiedlichen Brennweiten sollte man kennen und auch gezielt einsetzen können.

Am schnellsten habe ich bei konstruktiven Bilddiskussionen dazu gelernt. Ich meine nun nicht die heute üblichen Communities in Internet wo meist nur schön geredet wird und kaum konstruktive Kritik geübt wird. Nein, ich meine da den Besuch eines Fotoclubs. Da trifft man oft auf erfahrene Wettbewerbs- oder Ausstellungsfotografen. Wenn man da auf die richtigen Hinweise und Kritiken hört kann man sein fotografisches Können relativ schnell verbessern. Meine erfolgreichste Wettbewerbszeit resultiert hautptsächich aus den Erkenntnissen solcher Bildkritiken!

Und heute im digitalen Zeitalter geht das Erlernen ja noch viel schneller, da man die Bildergebnise gleich im Display begutachten kann und somit gleich korrigieren kann.

Was sind deine Lieblingsmotive?

Laß mich mal überlegen? In meiner aktivsten Wettbewerbsphase waren dies Landschaftsmotive und vor allem dynamische Sportmotive. Eigentlich war ich immer auf der Suche nach aussergewöhnlichen und nicht so häufig fotografierten Motiven. Oder ich suchte einen fotografischen Weg um ein gewöhnliches Motiv ungewöhnlich darzustellen. So nutzte ich sehr früh die digitale Bildbearbeitung mit Photoshop. Damals gab es in der Amateurfotoszene noch Grundsatzdiskussionen ob dies überhaupt noch etwas mit Fotografie zu tun hat? Inzwischen dürfte diese Diskussion wohl beendet sein?

Meine heutigen Motive sind Reisemotive, Landschaften, blühende Kakteen, eben was mir gerade gefällt. Inzwischen gönne ich mir den fotografischen Luxus das zu fotografieren was mir gefällt. Die Motive müssen nicht mehr wie früher einem Juror gefallen. Nein, wenn ich das Foto gut finde, reicht mir dies 😉

Du nennst dich Wettbewerbsfotograf der kaum noch an Wettbewerben teilnimmt. Und dann schreibst du auch über die Stockfotografie. Was denn nun?

Irgendwie habe ich diese Frage schon erwartet. Wettbewerbsfotografie und Stockfotografie sind zwei völlig verschiedene Dinge. Es gibt nur wenige Wettbewerbsfotos die auch gute Stockagenturfotos sind. Eigentlich logisch. Bei Wettbewerbsfotos muß man näher ran ans Motiv. Bei Stockfotos braucht man meist viel Platz und Freiraum im Foto für Werbetext. Also oft das genaue Gegenteil!

Du hast ein Gewerbe angemeldet. Bis du nun Hobby- oder Profifotograf?

Ich sehe mich immer noch als Hobbyfotograf an da ich ja in erster Linie fotografiere was mir gefällt! Das Gewerbe habe ich als Webdesigner angemeldet da ich mit verschiedenen ursprünglich privaten Homepages Werbeeinnahmen erziele. Als kleines Standbein beim Nebengewerbe verkaufe ich einige meiner Fotos über Stockagenturen. Aber ich fotografiere viel zu selten gezielt für bzw. nach Kriterien der Stockagenturen.

Sicherlich könnte ich hier bei gezielter Fotografie auch meine Verkaufsprovisionen bei den Stockagenturen erhöhen. Aber Fotografie soll für mich weiterhin Spaß machen.

Just for FUN!

Welche Kamera oder Ausrüstung kannst du unseren Lesern empfehlen?

Die Frage kann ich ehrlich gesagt nach über 15 Jahren Fotohandel und einigen Jahren Fotoclub nicht mehr hören.
Bereits ein kluger Profikünstler hat bereits vor langer Zeit das Zitat geprägt

Nicht die Kamera, sondern der Fotograf machen ein Foto

Und das stimmt zu 100% 😉

Vielen Dank Bernd für dein ausführliches Interview!

Danke!


Über Bernd

Bereits in meiner Kindheit musste ich Motive fotografisch festhalten. Durch eine Ausbildung im Fotohandel habe ich mich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit der Fotografie beschäftigt. Seit einigen Jahen fotografiere ich Nebenberuflich für Bildagenturen. Meine Erfahrungen aus der Theorie und Praxis möchte ich in diesem Fotoblog an andere Fotofans weiter geben.

Ein Kommentar zu Interview mit dem Wettbewerbsfotografen Bernd Schmidt

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