Fotoklau im Internet?

Der Grundgedanke für die Entwicklung des ersten Internet, war der freie und kostenfreie Zugang für viele Personen auf bestimmte Daten und Informationen.

Als Fotograf, egal ob Hobby, Fun, Amateur- oder Profifotograf, möchte man gerne seine guten Fotowerke einer möglichst breiten Öffentlichkeit präsentieren.

Nun hat man als Fotograf sicherlich nichts dagegen wenn die eigenen Bilder mit Freude von anderen betrachtet werden. Schließlich freut es wohl jeden Bildautoren, wenn seine Fotowerke beliebt sind und auch noch Gefallen beim Betrachter finden.

Nerviger wird es da schon, wenn ungefragt die eigenen Werke auf anderen Seiten verlinkt werden oder sogar ungefragt geklaut und verwendet werden. Wenn es sich dabei um private Verwendung handelt, mag der ein oder andere ein Auge zudrücken und dies dulden.

Wenn damit aber gewerbliche Seiten geschmückt werden, ist bei den meisten Bildautoren die Schmerzgrenze überschritten.

So erging es auch Robert Kneschke. Er berichtet in seinem Blog über ein Beispiel. Sein Artikel Die Geschichte eines Internet-Fotos – Kopiert, geklaut, benutzt .. schildert anschaulich wie schnell sich heute widerrechtlich Bildmaterial über das Internet und die sozialen Medien verbreiten können.

Angeregt durch seinen Artikel habe ich auch bei einigen meiner älteren Fotografien recherchiert. Hierzu gibt es inzwischen einige Programme und Suchmaschinen die nach Duplikaten einer Bilddatei suchen können. Sicherlich sind diese nicht immer perfekt. Aber eine Suche läßt erahnen das dort draußen im weiten Internet viele Bilder unerlaubt verwendet werden.

Recherchiert habe unter anderem nach diesem Foto:

Santa Maria della Salute

Schielende Katze

Das Foto oder besser gesagt die Fotomontage ist schon älter und seit über 7 Jahren bereits im Internet online. Zuerst auf meiner www.photohomepage.de und seit letztem Jahr auch hier im Blog. Die Fotomontage wird auch über mehrere Micro-Stockagenturen zum Verkauf angeboten und verkauft sich dort auch gut bis sehr gut.

Bei einigen Suchmaschinen gibt es vereinzelt die Möglichkeit nach Duplikaten von Bilddateien zu suchen. So hat auch Google solch eine Funktion. Für einige Browser gibt es dies auch als Add-on. Möchte man ein Bild prüfen, einfach mit der rechten Maustaste anklicken und man kann dann dort die Suchfunktion auswählen und anklicken. In einem neuen Tab oder Fenster werden dann die Suchergebnisse angezeigt.

Viele dieser Suchfunktionen sind noch alles andere als perfekt. Tineye war wohl einer der ersten Anbieter in dieser Richtung. Die Ergebnisse dort sind bei meinen Tests meist spärlich gewesen. Die russische Suchmaschine Yandex.ru ist da schon etwas besser. Am meisten gefundene Bilddateien hat mir aber die Google-Suche erbracht. Für das obige Foto waren es 412 Einträge!

Erstaunlich wenn man da so herum stöbert. Wo überall ein Foto eingesetzt wird. Wenige Links sind nicht mehr erreichbar oder das Bild exisitert nicht mehr. Dies liegt sicherlich daran, daß die Bildsuche nur alle paar Monate aktualisiert wird. Aber viele Ergebnisse exisiteren noch.

Nun habe ich dieses Motiv schon einige Male bei Micro-Stockagenturen verkauft. Ich bezweifle allerdings ob die vielen Blogger und Foren und Avatare eine Bildlizenz erworben haben. Auch eine Genehmigung halte ich für sehr unwahrscheinlich, da ich bisher noch nie eine Anfrage über dieses Motiv erhielt? Zwar gewähre ich auf meiner Homepage im Impressum die Verwendung für private Zwecke. Allerdings verlange ich dafür eine Verlinkung auf meine Homepage. Die ist allerdings in den meisten Fällen nicht vorhanden.

Fotoklau im Internet verhindern?

Wer Fotos und Bilddateien im Internet veröffentlicht, sollte sich vorher bewußt sein, daß er nicht zu 100% Fotoklau verhindern kann.

Man kann zwar mit einem Java-Script den Download von Grafiken und Dateien mit der Maustaste verhindern. Dies läßt sich allerdings mit geringen Wissen leicht umgehen. Wie werde ich hier allerdings nicht verraten 😉

Eine andere Möglichkeit ist es durch eine .htaccess Datei auf dem Server der Homepage, direkte Bildverlinkungen auf eine vorbereitete Grafik umzuleiten. Da eine Direktverlinkung über euren Server läuft, bedeutet dies Traffic der keiner ist, aber trotzdem Kosten verursachen könnte! Gut, heute sind die Traffic-Grenzen bei den meisten Webhostern recht hoch angesetzt. Wenn man keinen Traffic ohne Limit beim Webhoster im Vertrag beinhaltet hat, kann man eine Nachzahlung nicht 100% ig ausschließen.

Ich habe dies auf meiner photohomepage.de  mit einer Umleitung auf folgende Grafik erfolgreich reduziert:

Fotoklau = Traffiklau?

Fotoklau = Traffiklau?

Wenn jemand ein Foto auf seiner Homepage, in einem Blog oder Forum direkt verlinkt, wird automatisch auf diese Hotlinking-Datei umgeleitet!
Das bedeutet, das der Verlinker gelinkt wird!
Statt dem verlinkten Foto erscheint dieser markante Hinweise.

Die meisten Forenbetreiber haben in relativ kurzer Zeit die Bilddateien entfernt oder die User gesperrt. Auch andere Homepagebetreiber haben die Fotoverlinkung entfernt. Neue Direktverlinkungen werden so auch erfolgreich unterbunden.

Wie kann man so etwas einrichten? Auf der Homepage von Traffiklau wird dies detailliert erläutert. Ein paar technische Voraussetzung werden vom Server verlangt. Als Vorlage werden auch Codes zum kopieren bereit gestellt. Logisch die variablen Daten müssen ausgetauscht werden.

Aber leider ist auch diese Möglichkeit kein 100%iger Schutz vor Datenklau. Zumindest schreckt es bequeme Diebe von weiteren illegalen Aktivitäten ab. Wenn aber jemand unbedingt ein Foto möchte, wird er sich dieses auch beschaffen.

Wer also auf keinen Fall will, daß seine Fotos ohne sein Einverständnis verbreitet werden, sollte diese überhaupt nicht in das Internet stellen.

Wie kann man gestohlene Foto`s finden?

Früher habe ich über die Google-Bildersuche mit markanten Suchbegriffen gesucht und bin auch bei einigen Fotomotiven fündig geworden. Dies ist aber eine sehr mühsame und zeitaufwändige Arbeit, die häufig ohne Ergebnis ist.

Heute gibt es zum Glück ein paar Suchmaschinen die nach Duplikaten einer Bilddatei suchen können. Damit kann man relativ gut Duplikate von Bilddatein ausfindig machen.

Der erste Dienstleister in dieser Form war TinEye. TinEye kann als Suchmaschine genutzt werden. Bequemer sind aber die verfügbaren Add-ons für die gängigen Browser. Mit dem passenden Add-on braucht man nur das Originalbild mit der rechten Maustaste anklicken und TinEye starten. Und los geht die Bildersuche. Nach Vollendung werden die gefunden Bildduplikate mit URL aufgelistet. Diese kann man dann bequem prüfen.

Für meinen Geschmack sind die Ergebnisse von TinEye meist recht dürftig. Aber besser ein paar Infos als gar keine.

Wesentlich mehr Ergebnisse findet da die Search by Image Funktion bei Google. Diese kann über die Bildersuche per Drag and Drop in das Suchfeld aktiviert werden. Oder man installiert eines der Plugins für den Browser.

Bei mir funktioniert allerdings das Firefox-Plugin mit dem derzeitigen Firefox 6 nicht.

Bei der Suche nach alternativen Add-ons bin ich bei Firefox auf das Add-on Who stole my pictures? gestossen. Mit diesem kann man aktuell bis zu 5 Bildsuchfunktion nutzen. Allerdings kann man zwei davon vergessen, da sie nicht funktionieren oder keine Ergebnisse bringen. Und zwei davon sind TinEye und Search by Image von Google und die dritte ist Yandex.ru eine russische Bildsuche die manchmal ganz gute Ergebnisse liefert. Das beste an dem Tool ist, das man per rechten Mausklick auch gleichzeitig in allen eingestellten Diensten suchen lassen kann. Eine sehr bequeme und effiziente Hilfe bei der Suche nach Bilderdieben.

Was tun wenn man einen Bilderdieb gefunden hat?

In dem Bereich Copyright und Bildrecht gibt es viel Halbwissen. Und die rechtliche Lage variiert von Land zu Land. Da das Internet vor Grenzen keinen Halt macht, sind manche Konstellationen rechtlich schwierig einschätzbar und eine Aussicht auf ein nachträgliches Bildhonorar schwer zu beurteilen.

Manche Bildautoren fahren hier gleich scharfes Geschütz auf und beauftragen gleich ein ganzes Anwaltsbüro. Da liegt leicht der Verdacht nahe, daß das einklagen von Bildrechten eine Haupteinnahmequelle werden soll? Sicherlich braucht man als Fotograf in solchen Fällen auch eine gewisse Portion Fingerspitzengefühl.

Was will man bei einer privaten Nutzung eines Foren-Avatar einklagen? Solche Fälle kommen bei lustigen und beliebten Fotomotiven öfters vor. Wer die Zeit und Lust hat, sollte lieber die Forenbetreiber anschreiben und um Entfernung bitten. In den meisten Fällen wird dies auch prompt erledigt.

Bei privaten Homepagebetreibern ist es sicherlich fair, wenn man diese erst einmal anmailt und um eine nachträgliche Honorarzahlung oder um Entfernung bittet. Ich biete privaten Homepagebetreibern auch manchmal einen Link auf meine Homepage, statt eines Honorares an. Dadurch steigt meine Linkpopularität wodurch meine Homepage etwas besser bei Suchmaschinen gerankt wird. So finden mehr Suchende meine Homepage und ich erhalte mehr Besucher. Mehr Besucher bedeutet mehr Werbeeinnahmen oder Verkäufe meiner Bilder.

Wenn einer eine gewerbliche Homepage betreibt, dann sollte er sich über Bildrechte im klaren sein. In solchen Fällen verlange ich ein nachträgliches Honorar. Wenn dies auf Widerstand stösst, ist es eine Überlegung wert, das Honorar über einen Fachanwalt einzutreiben oder einzuklagen. Dies ist aber wiederum vom Wert abhängig. Eine vorherige Rechtsberatung ist da je nach Fall empfehlenswert. Insbesondere wenn es sich um Homepagebetreibern in anderen Ländern handelt.

Was haltet ihr vom Bilderklau und wie behandelt ihr solche Vorgänge?


Über Bernd

Bereits in meiner Kindheit musste ich Motive fotografisch festhalten. Durch eine Ausbildung im Fotohandel habe ich mich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit der Fotografie beschäftigt. Seit einigen Jahen fotografiere ich Nebenberuflich für Bildagenturen. Meine Erfahrungen aus der Theorie und Praxis möchte ich in diesem Fotoblog an andere Fotofans weiter geben.

Ein Kommentar zu Fotoklau im Internet?

  1. Andreas Janke schrieb:

    Moin,
    ich persönlich verfolge jeden einzelnen gewerblich auftretenden Dieb. Private schreibe ich nur deutlich an. Im zweiten Schritt allerdings geht ein Anwalt ran. Das ist sogar in der Mehrzahl der Fälle nötig: etwa 2/3 der Angeschriebenen reagiert überhaupt nicht auf das Einschreiben mit Rückschein. Offensichtlich nehmen sie eine Abmahnung nicht ernst, die von einem privaten Hobbyfotografen kommt. Bilderklau scheint für einige dann wohl zum Geschäftsmodell zu gehören. Zweimal im Jahr setze ich die Suchmaschinen auf einige Bilder an, von denen ich sicher bin, die werden geklaut. Ich wurde bis jetzt immer fündig, bei zwei Suchen jetzt sechs Mal. Davon einer dann noch ein Rechtsanwalt …
    besten Gruß
    Andreas

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