Fachbuch Professionelle Produktfotografie

Nach über einem Jahr Foodfotografie habe ich auch manch andere Gegenstände in meinem improvisierten Fotostudio abgelichtet. Dabei musste ich die Erfahrung machen, dass manche Produkte gar nich so einfach zu fotografieren sind, wie man im ersten Moment meint. Bei der Studiofotografie von Gegenständen oder Foodmotiven spielt insbesondere der bewusste und gekonnte Einsatz von Licht eine wesentliche Rolle.

Insbesondere spiegelnde Oberflächen wie Glas und Metalle sind sehr oft schwierige Fotomotive. In der Studiofotografie gelten solche Motive auch als die Königsklasse der Lichtführung. Wer sich schon einmal an solchen Motiven versucht hat, wird wissen was ich meine. Der Unerfahrene wird sich bei diesen Worten wohl nur wundern?

Auch im vergangenen Jahre habe ich einige Produkte aus Metall und Glas fotografiert. Manche Fotos landeten im elektronischen Papierkorb. Einige ware ganz brauchbar aber viele sind sicherlich noch verbesserungsfähig. Manches Wissen habe ich mir im Internet und aus Fachbüchern erlesen. Dennoch habe ich einige Wissenslücken, die ich gerne schliessen würde.

Also habe ich nach weiteren Informationen gesucht und habe das Buch von Oliver Held über die Professionelle Produktfotografie entdeckt.

Professionelle Produktfotografie
Professionelle Produktfotografie

Die bisherigen Fachbücher die ich über Foodfotografie und Studiobeleuchtung gelesen habe, haben manche Motive wie Metalle und spiegelnde Oberflächen gar nicht behandelt. So hoffte ich, dass ich in diesem Fachbuch einige Antworten auf meine in der Praxis enstandenen Fragen bekommen würde.

Kapitel 1 – Einleitung

Hier geht es kurz und bündig und dennoch recht unterhaltsam über die Vorurteile, dass Produktfotografie ja wohl jeder kann, wenn er nur eine passende Kamera und Beleuchtung hat. Na ja, wer es schon einmal selber ausprobiert hat weiss, dass dazu noch sehr viel Grundwissen und noch mehr praktische Erfahrung gehört. Nicht umsonst dauert die Ausbildung zum Fotografen normalerweise drei Jahre. Kein Wunder das da viele Einsteiger und Hobbyfotografen ihre Fähigkeiten häufig überschätzen.

Kapitel 2 – Das Licht

Hier geht es recht unterhaltsam um das Thema Licht. An Hand von lustigen Beispielen werden die Auswirkungen unterschiedlicher Beleuchtung und Lichtquellen dargestellt. Dabei sieht selbst der Einsteiger wie unterschiedlch die Härte des Lichtes sein und kann und wie schwer es ist ein Motiv ohne Schatten abzubilden. Die trockene Theorie wird durch Anektoden aus dem Fotografenalltag und Fotografenweisheiten aufgeheitert.

Kapitel 3 – Die Lampen

In diesem Kapitel wird Grundwissen über die unterschiedlichen Lichtquellen, wie Blitzlicht, Studioblitzlicht, Blitz- und Dauerlicht mit all seinen Vor- und Nachteilen behandelt. Die Möglichkeiten der Licht- und Objektmessung bei der Belichtungsmessung wird mit Erfahrungswerten aus der Praxis erörtert.

Kapitel 4 – Lampentypen

In der professionellen Produktfotografie ist das wichtigste das Licht. Unterschiedliche Lampentechniken, Formen und Vorsätze bringen unterschiedliche Lichteigenschaften. Genau darum geht es in diesem Kapitel.

Kapitel 5 – Die Kamera

Hier kommt für den Hobbyfotografen schnell die Erkenntnis, dass er für gute Produktfotografie eine Grossformatkamera oder wenigstens ein Kamerasystem mit Tilt / Shift-Funktion benötigt. Der Autor erläutert die fototechnischen Grundlagen an Hand seines Systemes. Da es sich aber überwiegend um allgemeine fototechnische Grundlagen handelt, können diese Infos auf viele andere Kamera-Systeme übertragen werden.

Kapitel 6 – Das Objektiv

Noch mehr fototechnische Grundlagen die zur Ausbildung eines jeden Fotografen gehören. Welche Brennweite, Makroobjektive, ob Zoom oder Festbrennweite? Perspektive, Schärfe, Blende und der Zusammenhang mit der Schärfentiefe. Wer noch nie etwas über Scheimpflug gehört hat, wird erfahren wie und wann man diesen anwenden sollte. Sozusagen die theoretischen Basics der Produktfotografie.

Kapitel 7 – Eine Ente steht Modell

An Hand einer Quitscheente werden die Eigenschaften von Licht aufgezeigt.

Kapitel 8 – My iPhone

Nach all der Theorie gibt es nun ein praktisches Beispiel, wie der Produktfotograf ein vorgegebenes Motiv, ein iPone, erarbeitet. Wie man das Licht Step-by-Step setzt, bis das Motiv wie gwünscht dargestellt wird.

Kapitel 9 – Eierei

Weisse Eier mit weissem Eierbecher vor weissen Hintergrund. Sieht easy aus, ist aber keine leichte fotografische Umsetzung. Die einzelnen Fotoschritte werden detailiert beschrieben. Ein weiteres Kapitel mit hohem Lehrfaktor.

Kapitel 10 – Foodfotografie

Da die Foodfotografie inzwischen eines meiner fotografischen Hauptthemen ist, war ich auf dieses Kapitel sehr gespannt. Für mich war es ein eher lustiges Kapitel über einen Foodstylisten, der den Fotografen 1 1/2 h aus der Küche verbannt, damit dieser den Lichtaufbau bereits vorbereiten kann. Danach geht alles relativ schnell und die beiden Motive sind schnell im Kasten. Dennoch konnte ich manch neue Lichttechnik aus diesem Kapitel lernen.

Kapitel 11 – Das Messer

An Hand eines Messer mit schönem Holzgriff wird der Aufwand aufgezeigt, der beim ausleuchten des Motives entstehen kann. Metallische Oberflächen erfordern den Einsatz von gezielten Licht und Reflektoren. Für ein perfektes Foto können da leicht ein paar Stunden vergehen, bis alles perfekt ist!

Kapitel 12 – Chrom

An Hand einer verchromten Mischbatterie auch Wasserhahn genannt, werden unterschiedliche Lichtaufbauten aufgezeigt. Wie man Metalllöffel in das richtige Licht setzt wird an Hand des zweiten Motives anschaulich erklärt.

Kapitel 13 – Glas

An solchen Motiven habe ich mich auch schon versucht. Nach anfänglichen Misserfolgen, habe klappte es mit einigen Tipps aus dem Internet und Fachbüchern im zweiten Anlauf bereits besser. Meist ist das fotografieren von Glas mit viel Fummelei von Aufhellern und Abdunklern verbunden. Das kann also auch hier eine Weile dauern bis das Licht passend eingestellt worden ist. Mal eben verschiedene Gläser mit einem Lichtaufbau fotografieren wird nicht funktionieren, da die unterschiedlichen Glasformen das Licht und die Reflexe unterschiedlich brechen. In diesem Kapitel erhielt ich weitere Erkenntnisse im Lichtaufbau bei Glasmotiven. Aber Glas alleine kann ein langweiliges Motiv sein. Die Königsklasse ist ein Glas mit Getränk. So werden mögliche fotografische Wege für die Ablichtung eines Latte Macchiato und von Bier aufgezeigt. Und das Kasperletheater darf hier auch nicht fehlen, wenn man Glas vor schwarzem Hintergrund mit weissen Lichtreflexen an den Rändern sichtbar machen möchte 😉

Kapitel 14 – Der Packshot

Hier geht es um Verpackungen und Produkte die mit Verpackung abgebildet werden sollen. Das auch Produkte eine Verpackung sein können klingt logisch. Aber auf Grund der unterschiedlichen Materialien gibt es kein Standard-Lichtset um Packshots zu fotografieren. Also wird an Hand zahlreicher Beispiele die Möglichkeiten vom Lichtbau aufgezeigt.

Kapitel 15 – 360°

Manche Onlineshops möchten ihre Produkte in 360° rundherum darstellen. Auf dem Weg zum Endergebnis gibt es Software und Dateiformate, welche dies simulieren können. In diesem Buch geht es aber um die fotografische Umsetzung. So wird in diesem Kapitel auch dieser Weg ausführlich beschrieben. Welche Variante man anwendet wird vom Kosten-Nutzen abhängen.

Kapitel 16 – Leder

An Hand einiger Lederprodukte wird gezeigt wie man das Licht setzt, dass auch die natürliche Struktur von Leder sichtbar wird. Am Beispiel einer Ledertasche wird schnell klar, dass das fotografieren manchmal der geringere Aufwand sein kann und man sich den Kopf zerbricht bis man die Tasche mit dem richtigen Faltenwurf und passenden Füllmaterial ausgestattet hat, damit diese ihre Form behält.

Kapitel 17 – Nachwort

Infos über den Autoren und das Buch.

Fazit:

Da ich kein gelernter Berufsfotograf bin, konnte ich einige neue Erkenntnisse aus dem Buch gewinnen. Für Einsteiger in der Produkt- und Studiofotografie ist es sicherlich ein sehr gut geeignetes Werk, wo viel Grundwissen aber auch einige praktische Anleitungen lustig und anschaulich vermittelt werden.

Wer eine Fotografenlehre hinter sich hat, wird sich über solch ein Buch wohl nur langweilen, da er diese Fotothemen bereits in seiner Ausbildung erarbeitet haben sollte.

Für mich ein lehrreiches Fachbuch über die Produktfotografie, die Einblick über die Arbeitsweise des Autoren gibt. Viele Arbeitsschritte kann ich zukünftig auch in meine Arbeit einfliessen lassen.

Bevor man in teure Studioausrüstung investiert, sollte man vorher in solch einem Buch sein Grundwissen ausbauen. Danach kann man auf jeden Fall besser einschätzen, was man tatsächlich am nötigsten benötigt.

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One Response

  1. Davee 20. März 2013

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