Mehr Schärfentiefe durch Focus Stacking

Mich erstaunt es immer wieder wieviele Fotografen, die Möglichkeiten mit Focus Stacking überhaupt nicht kennen? Gut, meist sind es Hobbyfotografen. Die meisten Berufsfotografen kennen diese Aufnahmetechnik. Je nach Genre des Fotografen, wird es auch gezielt zum Einsatz kommen. Berufsfotografen sind im Vergleich von Hobbyfotografen allerdings eine Minderheit. 1 bis 2% der fotografierenden Menschen dürften sich beruflich mit der Fotografie ihr Geld verdienen. Erst jüngst wurde ich auf Facebook in einer Fotogruppe gefragte: Wozu braucht man bei dem Bild Focus Stacking? Reicht das Schärfentiefe nicht aus?

Morgendämmerung im Weinberg
Morgendämmerung im Weinberg

Aufgenommen wurde das Foto mit der Fuji X-T2 und dem XF 14 mm Weitwinkel Objektiv. Wow 14 mm Weitwinkel. Da denkt der Fotolaie, da reicht doch die Schärfentiefe von vorne bis hinten aus? Wenn ich die Kamera in normaler Höhe gehalten hätte, wäre das wahrscheinlich sogar realisierbar gewesen.

In dem Fall wählte ich allerdings die Froschperspektive. Ein Tischstativ hielt die Kamera ca. 15 – 20 cm über der Straße. Die Kürzeste Entfernung lag bei ca. 25 cm. Ich wollte die Schärfe von vorne bis hinten scharf haben. Ich war an dem Standort dreimal. Der erste Versuch war ohne Focus Stacking. Der Vordergund war voll unscharf. Oder der Hintergrund war voll in Unschärfe verschwommen. Beides gefiel mir nicht.

Die zweite Lösung war abblenden. Leider bekommt man bei APS-C-Kameras meist schon ab Blende 8-11 die erste Beugungsunschärfe. Bei Blendenwerten von 16 oder 22 hat man soviel Beugungsunschärfe, daß das Bild richtig weichgezeichnet aussieht. Das gefiel mir auch nicht. Eine fotogafische Lösung wäre vielleicht ein Tilt-Objektiv. Das habe ich in dieser Brennnweite nicht. Also entfällt auch diese Möglichkeit.

Die Lösung für durchgängige Schärfe war in diesem Fall Focus Stacking. Bei meiner Fuji kann man das automatisieren. Dafür gibt es eine Bracketing-Funktion. Bei diesem Motiv habe ich die Entfernung für die Stacks allerdings von Hand vorgenommen. Dafür war die Schärfentiefe-Anzeiger der Kamera bei manueller Fokusierung sehr hilfreich. So konnte ich mehrere Aufnahmen mit überlagernden Schärfenbereiche machen. Das Bild entstand so aus 7 Aufnahmen mit unterschiedlichen Entferungseinstellungen. Ich wählte Blende 5,6, da dieses Objektiv in dem Bereich noch die maximale Schärfeleistung hat. Danach wurden die Bilder mit Helicon-Focus zu einem Bild mit durchgängiger Schärfe verrechnet. Fertig war das obige Foto.

Mehr Schärfentiefe durch Focus Stacking

Für Produktfotos und kleine Tiere nutze ich häufig Focus Stacking. Meist nutze ich dafür die Focus Bracketing-Funktion meiner Fuji X-T2. Die meisten Motive erfordern 10 bis 30 Einzelaufnahmen. Kleine Insekten benötigen je nach größe auch mal 100 oder 400 Einzelaufnahmen. Aber in dem Bereich kommt dann meist andere Fototechnik zum Einsatz. Nicht immer will man durchgängige Schärfe. Da wo man es aber wünscht, ist das Focus Stacking eine Möglichkeit.

Warum nutzen so viele kein Focus Stacking?

Gründe mag es dafür viele geben. Häufig dürfte es fehlendes Fachwissen in diesem Fotografiebereich sein. Dazu gesellt sich noch Bequemlichkeit. Focus Stacking ist etwas auffwändiger. Ohne diese Fototechnik sind allerdings viele fotografische Umsetzungen überhaupt nicht realisierbar.

Leider haben derzeit nicht so viele Kameras eine automatisierbare Möglichkeit für Focus Stacking. Meist sind das die besseren Systemkameras. Allerdings bietet derzeit nicht jeder Hersteller ein automatisierbares Focus Stacking an. Sony hat diese Funktionalität derzeit in keiner Kamera. Olympus und Panasonic haben Focus Stacking in vielen Kameramodellen bereits integriert. Bei Fuji seit der X-T2 in den Folgemodellen X-T3, X-T4, X-H1 und der X-T20, X-T30 und XS-10. Nikon bietet Focus Bracketing bei den Vollformat-Systemkameras Z6, Z6II, Z7 und Z7II an. Bei Canon ist es bei manchen Kameras in Verbindung der Software DDP Digital Photo Professional möglich. Die Software ist beim Kauf bestimmter Canon-Kameras gratis.

Nur wenige Kameras können in der Kamera einen Focus Stack machen und gleich berechnen. Olympus und Panasonic bieten diese Möglichkeit. Allerdings gibt es bei beiden Einschränkungen in der Auflösung, Dateiformat und oder Anzahl der Einzelaufnahmen. Für hochauflösende Fotos keine optimale Lösung. Da bleibt meist nur die der Weg über eine Software wie Photoshop, Helicon Focus oder Zerene Stacker. Photoshop ist da umständlich und zeitaufwändig. Helicon Focus und Zerene Stacker sind kostenpflichtig und schrecken dadurch den Gelegenheitsfotografen oft ab. Bleiben noch kostenfreis Software-Alternativen wie Focus Stacker, CombineZP oder Picolay.

Mehr Schärfentiefe durch Focus Stacking

Gerade in der Landschaftsfotografie werden sehr oft Weitwinkelobjektive eingesetzt. Setzt man als optischen Akzent im Vordergrund ein Motiv in Szene, wird es auch mit einem Weitwinkelobjektiv schwer, den Vorder- und Hintergrund durchgängig scharf zu bekommen. Voll abblenden bringt meist Beugungsunschärfe. Die wollen wir meist nicht, da die gesamte Aufnahme unscharf wirkt. Focus Stacking ist da eine sehr gute Lösung. Vor allem bei statischen Motiven kann man so leicht die Schärfentiefe erweitern. Wer eine Kamera mit Anzeige der Schärfentiefe im Sucher oder Display hat, kann dies sogar manuell sehr gut realisieren. Als Software benutzt man das was vorhanden ist. Wenn man häufig Focus Stacking anwenden will, lohnt sich der Kauf einer Lizenz von Helicon Focus oder Zerene Stacker.

Mehr Mut zu Focus Stacking

Ohne Fleiß kein Preis. Das gilt auch in der Fotografie. Wenn man das maximale aus seinen Fotos herausholen möchte, darf man gerne auch mal Focus Stacking ausprobieren. Vor allem bei Motiven wo man mehr Schärfentiefe benötigt. Hier im Blog habe ich über Focus Stacking bereits berichtet:

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