Stilllife in der Foodfotografie – Teil 3

Foodfotografie bedeutet nicht nur das abfotografieren von Lebensmitteln.

Auch das drumherum oder Utensilien, Porzelan, Geschirr, Dekorationen und Gläser können ein lohnendes Motiv sein, welches meiner Meinung nach auch in die Thematik Food gehören.

So habe ich vor über einer Woche eine kleine fotografische Serie mit Weingläsern gemacht.

Bereits im Dezember hatte ich die ersten Fotoversuche mit Gläsern im Gegenlicht einer Studioblitzanlage gemacht. Die Ergebnisse entsprachen noch nicht zu 100% meinen Vorstellungen. Da mich so etwas wurmt, mußte eine verbesserte Umsetzung in die Tat umgesetzt werden.

Und die klappte mit dem Grundwissen aus dem ersten Shooting bereits hervorragend!
Zumindest bin ich mit der Fotoserie Weingläser sehr zufrieden. Eines davon seht ihr hier:

Drei Bordeaux-Weingläser mit Rotwein

Drei Bordeaux-Weingläser mit Rotwein

Zum Einsatz kam eine Softbox 60 x 90 cm die als Gegenlicht eingesetzt wurde. Aufgehelt wurde nciht, da sonst die Konturen im Glas verloren gehen! Das Motiv sieht auf den ersten Blick realtiv einfach aus. Ist in der Umsetzung allerdings viel schwieriger wie man denkt.

Alle drei Gläser wurden zu Beginn mit einem trockenen Küchentuch auf Hochglanz poliert und entstaubt. Ein Glas erhielt einen dunklen Rotwein. Dabei sollte man das Glas und die Weinflasche so halten, daß kein Wein beim einschenken schwappt und sichtbare Weinränder in Form von Feuchtigskeitsschlieren hinterläßt. Insbesondere bei älteren Weinen kann der Glizeringehalt recht hoch sein, was eine Art von Fettfilm hinterlassen kann. Solche Fehler lassen sich auch im Nachhinein nur schwer weg retuschieren.

Danach werden die Gläser mit Baumwollhandschuhen in Position gebracht. Wer auf die Handschuhe verzichtet, wird auf den Fotos vereinzelt seine Fingerabdrücke erkennen.

Wenn alles wunschgemäß positioniert ist geht es an den Bildausschnitt. Hier ist eine Kamera mit Gitternetzlinien auf der Mattscheibe sehr hilfreich. Bei meiner Nikon D300 kann ich diese ein und ausschalten. Bei schlechten Licht können die Gitter sogar in rot beleuchtet werden. Optimal für eine saubere Ausrichtung eines grafischen Motives.

Dabei kommt ein stabiles Dreibeinstativ mit Dreiwegeneiger zum Einsatz. Dreiweigeneiger sind meiner Meinung nach exakter als ein Kugelkopf. Und im Studio kommt es ja nicht auf Schnelligkeit, sondern Präzision an.

So entstand eine kleine Serie von einzelnen und mehreren Weingläsern mit und ohne Rotwein aber immer im Gegenlicht. Ein Aufnahmetisch würde hier die Motivreihe sicherlich noch bereichern können. Für solch einen habe ich derzeit leider keine räumlichen Möglichkeiten. So musste ich mich auf Detailaufnahmen beschränken. Dennoch bin ich mit dem Ergebnis sehr zufriden. Ein Motiv das durch seine grafische Linien und Formen wirkt.

Rezept Weihnachtsstollen

Rezept Weihnachtsstollen

Das zweite Motiv ist ein handgeschriebenes Rezept über einen Weihnachtsstollen. Das Rezept stammt von meiner verstorbenen Schwiegermutter. Diese machte in jungen Jahren eine Ausbildung im Gastgewerbe. In der Ausbildung trug sie die erlernten Rezepte in ein Kochbuch handschriftlich ein.

Die älter wirkende Handschrift und das leicht vergilbte Papier regten mich zu einem Stillleben mit historischer Patina an. Passen dazu unterstreicht dies auch der stark gebrauchte Holz-Kochlöffel. Für etwas Dynamik die Kamera etwas schräg gehalten. Per Lightroom wurde noch etwas Vignettierung eingebaut. Wenn schon nostalgisch, dann schon richtig. Und fertig ist ein nostalgische Foodmotiv.

Foodfotos müssen nicht immer Lebensmittel und Essen zeigen. Foodfotos sind oft penibel aufgebaute Inszenierungen.


Über Bernd

Bereits in meiner Kindheit musste ich Motive fotografisch festhalten. Durch eine Ausbildung im Fotohandel habe ich mich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit der Fotografie beschäftigt. Seit einigen Jahen fotografiere ich Nebenberuflich für Bildagenturen. Meine Erfahrungen aus der Theorie und Praxis möchte ich in diesem Fotoblog an andere Fotofans weiter geben.

Schreibe einen Kommentar

Please use your real name instead of you company name or keyword spam.