Um 4 Uhr aufstehen für gute Landschaftsfotos

Kein Arbeitstag.

Da ich noch ein paar Überstunden hatte, habe ich den heutigen Tag auf Gleitzeit frei genommen.

Geplant war ursprünglich nichts.

Aber in den letzten Tagen hat es mich mal wieder in den Fingern gejuckt. Schon lange kein Landschaftsofoto mehr gemacht. Immer nur Food-Motive wird auch irgendwann monoton.

Gestern Abend habe ich den Entschluß gefaßt, einen Sonnenaufgang in den Weinbergen zu fotografieren. Am Abend habe ich die Kameraausrüstung gecheckt und vorbereitet.

4 Uhr morgens. Der Wecker klingelt. Aufstehen.

Etwas Katzenwäsche. Soll sowieso bis zu 37 Grad geben. Da ist beim Fotoshooting sowieso bald alles durchgeschwitzt. Zähne geputzt. Frühstück. Apfelsaft naturtrüb. Matcha-Tee, damit ich wach werde. Und meine geliebte Schale mit Müsli.

Um 5 Uhr bin in losgefahren. Mein Ziel war der Kappelberg. Herrlich. Um diese Uhrzeit ist auf den Straßen kaum etwas los. Trotz Großbaustelle auf der Bundesstraße bin ich über Landsstraßen in 15 Minuten am Platz des Fotogeschehens angekommen.

Genau richtig. Eine Viertel Stunde bevor die blaue Stunde beginnt. Dabei dauert die heute nur ein halbe Stunde 😉
So hat es mir zumindest der Dämmerungsrechner prognostiziert.

Es ist noch Zeit um die Kamera aufzubauen. Zu Hause habe ich bereits die ISO eingestellt. Kamera steht auf M für manuelle Belichtungseinstellung. Mit Getriebeneiger richte ich die Kamera sauber am Horizont aus. Herrlich wie exakt das mit einem Getriebeneiger geht!

Die meisten Fotografen wissen gar nicht was ihnen ohne Getriebeneiger entgeht. Die Spiegelvorauslösung ist eingestellt. Und den elektrischen Fernauslöser schließe ich an der Kamera an.

Bis zum Sonnenaufgang wird es mindestens noch eine halbe Stunde dauern. Egal. Vom Stativ mache ich schon einmal die ersten beiden HDR-Belichtungsreihen. Ein paar Überbelichtete. Ein korrekt Belichtetes. Und ein paar Unterbelichtete.

Mist! Warum liegt da mitten in den Weinbergen Müll? Erst bei der zweiten Serie ist mir weißer Müll von Trinkflaschen und Plastiktüten aufgefallen. Leider sind Aussichtspunkte auch beliebte Orte für Partys und sonstigen menschlichen Umweltentgleisungen.

Ab in den Weinberg und den Müll auf die Seite räumen.

Danach wird eine müllfreie Fotoserie gemacht. Sieht schon besser aus. Blaue Stunde im Weinberg. Warum nicht?

Blaue Stunde in den Weinbergen

Blaue Stunde in den Weinbergen

Zur Sicherheit habe ich mehrere Belichtungsserien gemacht. Die Wolken am Horizont färben sich langsam aber sich rötlich.

Und schwupps. Plötzlich steigt die Sonne über den Horizont.

Sonnenaufgang im Weinberg

Sonnenaufgang im Weinberg

Hin und wieder habe ich den Standpunkt etwas geändert um einen anderen Blick auf den Weinberg zu bekommen. Um die Sonne besser in den goldenen Schnitt zu bekommen.

Lichtreflexe gab nur bei wenigen Aufnahmen. Bei den meisten aber gar nicht oder nur im geringen Umfang. Das Nikon AF-S 2,8/24-70 hat dank der Nano-Kristallvergütung in diesem Punkt sehr gute Eigenschaften.

Sonnenaufgang im Weinberg Kappelberg

Sonnenaufgang im Weinberg Kappelberg

Die Sonne steigt heute ganz schnell nach oben!

Zeit für ein paar Aufnahmen aus dem Weinberg. Weinblätter und Weintrauben im Gegenlicht habe ich gesucht. Gar nicht so einfach einen guten Bildaufbau zu finden. Meist sind die Reben zu dicht belaubt, sodaß die Sonnen nirgends durchscheint. Zudem ist die Sonne schon viel zu hoch. Mein Hirn speichert schon ein weiteres Shooting im September, wenn der Winkel zur Sonne günstiger sein könnte?

Reben im Gegenlicht

Reben im Gegenlicht

Dennoch finde ich ein paar Motive die ganz gut werden.

Weintrauben im Gegenlicht

Weintrauben im Gegenlicht

Irgendwann habe ich genug Fotos gemacht. Es sind bereits über 200 Fotos. Alle für spätere HDR-Bearbeitung. Da braucht man eine Belichtungsreihe. Meist sind es 7-8 Fotos für ein Endbild.

Am Auto wechsle ich das Objektiv. Das 2,8/80-200 mm möchte ich noch mit einem 3 Dioptrien-Achromaten testen. Es geht auf die andere Seite vom Kappelberg. Blick auf die Grabkapelle auf dem Rotenberg.

Dort gibt es ein kleines Naturschutzgebiet mit Trockenrasen. Da tummeln sich im Sommer viele Schmetterlinge, Hummeln und andere Insekten. Genau richtig zum testen von Nahaufmahekombinationen.

Violette Blüte verfremdet

Violette Blüte verfremdet

Für Insekten war ich mal wieder zu ungeduldet. Es gab einige Hummeln und Wildbienen. Allerdings fehlte es an Licht. Und der Blitz lag im Auto 😉

Egal. Ein paar Blüten habe ich mit dem Telezoom und dem Achromaten fotografiert. So auch die obige violette Blüte. Der Hintergrund ist mit verschieden Verlauffiltern in Lightroom verfremdet worden.

Die Tele-Wanderung war trotz Schatten ganz schön schweißtreibend. 24 Grad um 6:30 am Morgen. Zurück am Auto war ich durchgeschwitzt aber zufrieden. Über 300 Fotos sind im Kasten.

Heimfahrt. Jede Menge Autos kommen mir entgegen. Der Berufsverkehr ist im vollen Gange. Ich fahre gegen den Strom.

Um 4h aufstehen kann sich bei Landschaftsfotos durchaus lohnen. Voraussetzung ist natürlich, daß man bereits einen Platz kennt, wo man solche Lichtstimmungen einfangen kann. Aber dann muß man es nur noch umsetzen.

Von der neuen HDR-Funktion in Lightroom bin ich begeistert.
Besser und einfacher als Photoshop und Photomatix! Man kann nur sehr wenig einstellen. Aber die Automatiken funktionieren hervorragend und produzieren natürliche HDR-Fotos! Eine weitere Bearbeitung ist selten erforderlich und wenn dann liegt es wohl eher am persönlichen Geschmack.

Ein toller Morgen.
Lightroom ist cool.

Über Bernd

Bereits in meiner Kindheit musste ich Motive fotografisch festhalten. Durch eine Ausbildung im Fotohandel habe ich mich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit der Fotografie beschäftigt. Seit einigen Jahen fotografiere ich Nebenberuflich für Bildagenturen.Meine Erfahrungen aus der Theorie und Praxis möchte ich in diesem Fotoblog an andere Fotofans weiter geben.

2 Kommentare zu Um 4 Uhr aufstehen für gute Landschaftsfotos

  1. Heinz schrieb:

    Sehr schöne Fotos. Ich liebe es morgens zu fotografieren, wenn die Welt noch im Halbschlaf ist.

  2. Christian schrieb:

    Egal, ob am See oder in den Weinbergen. In den Morgenstunden hatte man einfach immer ein schönes Licht 🙂

    Gruß
    Christian

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