Großlibelle Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)

Der Große Blaupfeil (Orthetrum cancellatum) gehört zu den in Deutschland häufig vorkommenden Libellen. Diese Libellenart findet man häufig an Sommertagen an Gewässern.

Oft kommt der große Blaupfeil zusammen mit der Königslibelle am selben Gewässer vor. Allerdings konnen sich bei einem höheren Libellenaufkommen beide Arten die Revierplätze am Gewässer streitig machen. Gegen die etwas größere Königslibelle zieht hier allerdings meist der Blaupfeil den kürzeren und muß sich ein anderes Revier suchen.

Aber auch das gelingt dem großen Blaupfeil meist sehr gut.

Nun wird sich der Laie fragen wofür brauchen manche Libellenarten ein Revier?
Dieses Revierverhalten kommt meist nur bei einigen Großlibellen vor. Zu bestimmten Zeiten bei entsprechend warmen Temperaturen suchen diese ein passendes Gewässer und Revier auf. Das Revier besteht wie auf dem nächsten Foto zu sehen aus einem Ruheplatz. Von dort werden Patroulienflüge gestartet. Je nach Uhrzeit und Alter und Art der Libelle gibt es dafür zwei Gründe.

Grund eins ist die Jagd nach Nahrung. Meist sind dies andere Insekten die im Flug gefangen werden und je nach Libellenart im Flug oder auf dem auserwählten Sitzplatz verspeist werden.

Grund zwei ist das Warten und die Suche nach einem paarungswilligen Weibchen. Je nach Libellenart haben die meisten Libellen nur 4-6 Wochen Zeit sich zu paaren. Kurz danach sterben die meisten Libellen, da sie ihre Aufgabe der Arterhaltung erfüllt haben.

Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum) auf einem Ruheplatz

Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum) auf einem Ruheplatz

Blaupfeile sind vielleicht sogar die am leichtesten zu fotografierenden Libellen? So sind zumindest meine Erfahrungswerte. Man trifft sie auch oft früh am Morgen an Gewässern aber genauso noch bis spät in den Nachmittag bis in den Abend hinein an. Und selbst an bewölkten und kühlen Morgentagen im Sommer kann man vereinzelte Exemplare in der Nähe von Gewässern entdecken. Zum aufwärmen setzen sie sich dann gerne auf Steine um sich dort durch die Sonne schneller aufzuwärmen.

So entstanden auch die folgenden Fotos.

Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)

Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)

Wie man sieht hat mich die große Libelle bis auf ein paar Zentimeter heran kommen lassen! Trotzdem hat sie mich die ganze Zeit im Visier gehabt. Die großen dunkelgrünen Augen haben sich ständig bewegt.  Garantiert hat sie mich misstrauisch beäugt. Aber an dem Morgen war es ihr noch zu kühl um fliegen zu können.

Portrait Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)

Portrait Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)

Genauso entstand das obige Foto. An einem kühlen Morgen saß dieser Blaupfeil noch ausgekühlt von der kalten Nacht zwischen einigen Schilfhalmen und wartete auf die wärmende Sonne. Normalerweise kommt man an Blaupfeile nicht so nah heran.

Aber es gibt noch eine zweite Gelegenheit wo man bei Blaupfeilen sehr nahe heran kommen kann. Bei der Paarung kann man für 30-180 Sekunden relativ nahe an die Tiere heran gehen. So ist mir dies auch auf dem folgenden Foto gelungen. Trotzdem ist dies beim Blaupfeil fast immer sehr schwierig. Wenn ein Männchen ein Weibchen gefunden hat, vereinen sie sich bereits im Flug und fliegen wild durch die Luft um nach einen ruhigen Plätzchen zur Vollendung der Kopulation zu suchen. Man weiß als Fotograf also nie wo sie landen werden?

Paarungsrad Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)

Paarungsrad Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)

Und wenn sie gelandet sind, verweilen sie leider nicht immer lange dort. Oft entscheiden sie sich sofort zum Weiterflug. Dieser Vorgang kann sich ganz schön dahinziehen. Es ist also mehr ein Glüchsspiel wenn sich ein Paar in der Nähe des Fotografen niederläßt und dort auch lange genug verweilt.

Die nächsten Fotos entstanden an einem heißschwülen Sommernachmittag. Ich weiß nicht wieviel ich in den zwei Stunden als ich das folgende Motiv fotografierte an Schweiß verloren habe? Aber ohne Schweiß kein Preis 😉

Eigentlich wollte ich an diesem Mittag bereits nach Hause gehen, da auf Grund einer hohen Schwüle auch bei den Libellen wenig am besuchten Gewässer zu entdecken war. Oder war es gerade nicht die passende Zeit für das Antreffen einer höheren Artenvielfalt? Ich weiß es nicht genau. Ich machte noch einen abschließenden Rundgang um das Gewässer um ganz sicher zu sein, daß ich kein Fotomotiv übersehen habe?

Da entdeckte ich diese unermüdliche Libelle (Großer Blaupfeil). Er hatte sich eine Sitzwarte ausgesucht von wo er regelmäßig davonflog und eine bestimmte Route am Gewässer entlangflog um dann wieder auf dem Ast zu landen.

Nur schade das der Ast trotz 400mm Objektiv zu weit weg im Wasser war. Für ein vormattfüllendes Tierportrait war das Motiv zu weit enfernt. Trotzdem baute ich meine Kamera auf ein Stativ auf. Leider war das Licht nicht so gut um auf eine Verschlußzeit von 1/500 oder 1/1000 zu kommen. Also mußte ich einen 400 ASA Diafilm einsetzen. Bei einer längeren Belichtungszeit wären sonst die Bewegung im Flug der Libelle verwischt und nicht scharf abgebildet.

Die Kamera wurde fest auf eine Dreibeinstativ montiert und ausgerichtet. Die Focusierung erfolgte manuel auf den aus dem Wasser stehenden Ast. Ich wollte ja nur die Libelle im Ab- und Anflug fotografieren. Danach hieß es warten bis die Libelle wegflog und nach einiger Zeit wieder zur Landung ansetzte. Nac etwa zwei Stunden hatte ich knapp zwei 36er Diafilme belichtet und beide Beine waren eingeschlafen 😉

Sehr schwierig war auch die Lichtsituation da es Gegenlicht war. Zum Glück wurde die grelle Sonne durch leichte Schleierwolken etwas gedämpft. Ein aufhellen mit einem Elektronenblitz hatte ich auch versucht. Auf Grund der zu großen Entfernung brachte dies aber keine Besserung. Im Gegenteil. Das Motiv wurde da zu weit entfernt nicht aufgehellt und die längere Verschlußzeit führte zu Bewegungsunschärfen bei der fliegenden Libelle.

Aber trotz der schwierigen Lichtsituation war ich später mit den Aufnahmen ganz zufrieden. Es gab keine zu hellen und keine zu dunklen Stellen im Bild.

Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)

Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)

Als ich die Dias sortierte und die besten auswählte kam mir eine weitere Idee. Eine Libelle im Flug ist ja ganz nett. Eine die einzelnen Flugphasen in einem Foto wären noch viel anschaulicher? Also habe ich vier passende Flugphasen ausgesucht. Die Dias gescannt und die vier Libellen mit Photoshop freigestellt. Danach wurden drei Libellen in das vierte Motiv einmontiert.

Puristische Naturfotografen werden nun ihre Nase rümpfen, da es sich um eine Bildmanipulation handelt. Aber diese verschweige ich ja nicht. Und meiner Meinung nach sind die Flugphasen der Libelle in einem Foto wesentlich anschaulicher. Ich finde es immer noch faszinierend wie die Libelle ihre Beine wie ein Fahrgestell vor der Landung ausfährt.

Flugphasen einer Libelle Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)

Flugphasen einer Libelle Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)

Ach ja, die vielen Fotos ohne Libelle oder mit angschnittener Libelle oder unscharfer Libelle erspare ich euch. Probiert es einfach mal  selber aus. Das erzielte Ergebnis ist nicht ganz einfach.


Über Bernd

Bereits in meiner Kindheit musste ich Motive fotografisch festhalten. Durch eine Ausbildung im Fotohandel habe ich mich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit der Fotografie beschäftigt. Seit einigen Jahen fotografiere ich Nebenberuflich für Bildagenturen. Meine Erfahrungen aus der Theorie und Praxis möchte ich in diesem Fotoblog an andere Fotofans weiter geben.

6 Kommentare zu Großlibelle Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)

  1. belial94 schrieb:

    Also die Aufnahmen finde ich wirklich gelungen. Einzig und allein frage ich mich, was der Ruheplatz auf dem ersten Bild ist… Ein Stock? Denke ich eher nicht. Für einen Stein ist es auch nicht passend, also muss ich wohl weiter raten…

  2. Bernd schrieb:

    @ belial94
    Der mutmaßliche Stock ist ein verwitterert Stamm oder Ast der aus em Wasser ragt.
    So ähnlich wie auf den unteren beiden Fotos. Nur eben geraden nach oben stehend.

  3. Rapidity schrieb:

    Sehr gelungene Aufnahmen wie ich finde. Vor allem das letzte Bild wo der Landeanflug dargestellt ist. Leider fehlt mir das Equipment für solche Aufnahmen. Mit einer herkömmlichen Kamera ists hier wohl nicht getan.

  4. Knuffelpack schrieb:

    Die Libelle ist richtig schön. Und den Namen Blauer Pfeil trägt sie auch zurecht. Besonders schön finde ich die Augen. In diese könnt ich stunden lang blicken 😀

  5. redscorpion012 schrieb:

    Ja das foto im lande anflug gefällt mir auch sehr gut ich frage mich nur wie lange man da auf der lauer liegen muss um ein solches foto schießen zu können.

  6. Bernd schrieb:

    @ redscorpion012
    In dem Fall waren 2 Stunden Warten notwendig. Aber bei 2 Stunden gehört auch sehr viel Glück dazu. Wenn ich die vielen vergeblichen Besuche am Gewässer mit einrechne kommt man sicherlich auf ein paar Tage Gesamtzeit die man aufgewendet hat.

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