Frau in rot – Woman in red

Das folgende Foto ist wohl bisher mein erfolgreichstes Wettbewerbsfoto!

Die Idee zu dieser Bildbearbeitung hatte ich bereits als ich die Säulen vom Leopoldinentempel im Schlosspark von Eisenstadt erblickte.

Eisenstadt liegt in Österreich und ist die Hauptstadt des Burgenlandes.

Die meisten Touristen hetzen in großer Anzahl in das Schloss Esterhazy, den Kalvarienberg und die vielen Haydn und Liszt Räumlichkeiten und Denkmäler.

Frau in rot

Frau in rot

Im Schlosspark ist es meist sehr ruhig und man bekommt vom bunten Treiben in der Stadt kaum etwas mit. Und erstaunlicherweise gibt es dort auch noch ein paar interessante Fotomotive zum entdecken. Vom Lepoldinentempel habe ich zahlreiche Fotos gemacht. Aber am interessantesten war mal wieder eine Aufnahme die wenig zeigt. Die auf das wesentliche konzentriert ist. Wo alles störende ausgeblendet ist. Also nahm ich diese Detailaufnahme für meine Photoshop-Arbeit.

Das Dia wurde gescannt, entfärbt und mit einem Blauton eingefärbt. Aber nun fehlt mir einfach etwas passendes. Nach mehrwöchigen Überlegungen kam mir dann die Idee. Nach dem ich sämtliche Fotografien in Dia und Bild durchsucht hatte, fand ich ein Foto meiner Frau. Es war eine Aufnahme von unserer standesamtlichen Trauung. Sie hatte ein rotes Kostüm an. Ja, genau die Farbe wonach ich gesucht habe! Also wurde das Foto eingescannt und erst einmal für die Montage vorbereitet.

Die Vorbereitung hat mich gute zwei Wochen Arbeit gekostet. Keine Angst, keine zwei Wochen am Stück. Zwei Wochen lang fast jeden Abend ein paar Stunden. Zu erst wurde die Person frei gestellt. Danach versuchte ich in vielen Versuchen einen realistischen Wischeffekt einer laufenden Person zu realiseren. Da sich Arme, Beine und Körper fast immer in andere Richtungen bewegen war dies nicht ganz einfach.  So wurden einzelne Körperbereiche in unterschiedliche Bewegungsrichtungen aufgeteilt und übereinander gelegt.

Bis es halbwegs meinen Vorstellungen entsprach vergingen nun mal die zwei Wochen. Dann mußte die Person noch ins rechte Größenverhältnis gebracht werden und einmontiert werden. Fertig war mein erfolgreichstes Wettbewerbsfotos. Viele Auszeichnungen und Medailien auf Fotosalonen und einige Preis auf Fotowettbewerben waren die Folge. Bei einem Fotowettbewerb von Kodak gewann das Foto sogar eine Leica M7. Die Preisverleihung fand auf der Photokina in Köln statt. Ein schönes Erlebnis. Schade das man nicht regelmäßig solch Wettbewerbstaugliche Fotografien produziert 😉


Über Bernd

Bereits in meiner Kindheit musste ich Motive fotografisch festhalten. Durch eine Ausbildung im Fotohandel habe ich mich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit der Fotografie beschäftigt. Seit einigen Jahen fotografiere ich Nebenberuflich für Bildagenturen. Meine Erfahrungen aus der Theorie und Praxis möchte ich in diesem Fotoblog an andere Fotofans weiter geben.

11 Kommentare zu Frau in rot – Woman in red

  1. Sascha Mendack schrieb:

    Sehr schön finde ich hier die Symmetrie des Bildes. Die Säulen sind mittig und am Rande. Das bringt irgendwie Ruhe rein, dann aber im Gegensatz dazu die Frau die Bewegung reinbringt. Das wirkt aber überhaupt nicht störend.
    Ein echt tolles Foto und es hat die Preise verdient. Ich muss allerdings gestehen, das ich nciht diese Geduld hätte.

    Sascha

  2. engelchen schrieb:

    Schönes Bild. Der Tempel strahlt Ruhe aus und von der Frau kommt das Gegengewicht.Das Bild könnte auch auf dem Titelbild eines Thrillers oder Horrorfilms sein, da es irgendwie Spannung ausstrahlt 😉 Ein klein wenig Gänsehautfeeling*lach

  3. BeN schrieb:

    Sah auf den ersten Blick aus wie ein Hydrant aber beim genaueren Hinsehnn ist die Frau zu erkennen, ein wirklich schönes Bild. Laien versuchen es zu verhindern, du arbeitest es im nachhinein ein, auch nicht schlecht ^^

  4. Arkmeister schrieb:

    Also wenn die Frau in Rot in allen lebensbereichen so schnell ist, wäre sie wohl due falsche Wahl für mich. 😉

    Aber zwei Wochen Arbeit nur um ein Foto zu bearbeiten…

    Mann-o-Mann. Die Gedult hätte ich nicht.

    Trotzdem: sieht Hammer aus.

  5. le_Joe schrieb:

    Also was mich ein wenig irritiert ist die eckige Kante an ihrem für uns linken Fuß.

    Der Hintergrund ist, wie bereits erläutert, wirklich gut gewählt, die Säulen, die geraden Linien der Steine und dennoch überall die kleinen Makel am Stein, das ist schön.

    Aber:
    Ich glaube ICH würde das Bild noch schöner finden, wenn da in echt eine Person durchgelaufen wäre. Wieso muss es denn immer montiert sein? Kannst ja gerne mit den Farben spielen, da kann man ja zB nur einzelne Bereiche einbläuen und andere roter/kräftiger machen.

    Aber hey, ist nur meine bescheidene Meinung.

    le_Joe

  6. Madstone schrieb:

    Das Bild ist mal wieder Hammer. Wie kommst du nur immer auf diese Ideen? Allein schon der blau eingefärbte Tempel sieht super aus. Auf so eine einfache Idee würde ich gar nicht kommen. Dass du dir zusätzlich noch die Arbeit mit dem Bild deiner Frau gemacht hast: Respekt. Aber ich denke, wenn man wie du, so einen Spaß an der Fotografie hat, dann nimmt man sich einfach die Zeit, die es braucht, bis ein Foto so aussieht, wie man es sich vorgestellt hat.

  7. redscorpion012 schrieb:

    Ein schönes foto nur mich persönlich macht das unscharfe der frau etwas nervös dadurch entsteht für mich ein eindruck der hektik.man müsste mal ein foto dagegen setzen wo die frau halt nur als normales foto (scharf) drauf ist um da eine genaue analyse zu machen damit ein gegensatz da wäre.

  8. Carsten schrieb:

    Sorry, aber das ist für mich ein klassisches Beispiel wie Fotografie nicht funktionieren sollte. Dieses Bild ist für mich keine Fotografie mehr, sondern ein Composite – eine Fotomontage. Einen Preis für Bildbearbeitung und Photomontage würde ich verstehen, aber ein Preis in einem Fotowettbewerb nicht. Leider sind viele Fotos heute auf diese Art „gefaked“. Gut finde ich, das du hier offen schreibst, wie diese Arbeit entstanden ist…. und sie ist in diesem Kontext gesehen ja auch gut… Aber wussten das die Juries der Wettbewerbe auch? 😉 Wie gesagt, die Arbeit da oben ist gut, und mir ist auch klar das jeder das anders sehen mag, und das die Grenze dessen was wir als Fotografie bezeichnen, und was als Fotomontage fließend ist.

    Zwei Wochen erscheint mir für diese Arbeit auch entschieden zu lang. Vier bis 6 Stunden käme schon eher hin.

    Just my 2 cents – Carsten

  9. Bernd schrieb:

    @ Carsten

    Zwei Wochen Arbeit war vor über etwa 10 Jahren in meinen Photoshop-Anfängen. Da gab es noch keine Internet wo man eben mal ein Tutorial suchen und finden konnte. Die Rechner waren wesentlich langsamer und ich mußte mich damals erst in Photoshop einarbeiten.

    Heute würde ich solch ein Composite je nach Freistellungsaufwand der Bildteile in 30 Minuten bis zu ein paar Stunden erstellen.

    Ich habe nie einen Hehl gemacht, das es sich um ein bearbeites Bild handelt. Ich denke die Juroren von Kodak waren kompetent genug um das Bild als ein mit Photoshop verfremdetes erkannt zu haben.

    Bei dem Fotowettbewerb gab es drei Hauptpreise. Die Motive waren sehr unterschiedlich was auch ausdrücklich erwünscht war, um die fotografische Vielfalt zu zeigen.

    Ob das ein Foto, Composite oder eine Montage ist, ist mir relativ egal. Was zählt ist das Ergebnis.
    Da ich keine Reportagefotografie mache, ist für mich alles legal um zu einem gewünschten Bild-Ergebnis zu kommen.

    Dies war auch schon vor Photoshop so. Da habe ich halt in der Dunkelkammer abgewedelt, nachbelichtet, maskiert … eben anders kreativ eingegriffen.

    Das Ziel war das selbe. Eine Fotovision in ein visuelles Bild umsetzen.

    MFG
    Bernd

  10. Carsten schrieb:

    Hi Bernd. Es geht ja nicht um legal, oder illegal. Wenn es um Kunst geht, ist das ja eh vollkommen gleich, ob Composit oder Fotografie. Im Grunde stellst du es ja hier vor, als das was es ist, nämlich ein Composit – soweit okay… trotzdem schleicht sich im Text dann immer wieder der Begriff Fotografie und Foto ein… Und das ist es – obwohl ich dein Werk auch für gelungen halte, meiner Meinung nach nicht. Das wäre es nur, wenn du die Szene so wie sie sich darstellst fotografiert hättest – Wobei eine nachträglich Bearbeitung (siehe Fotolabor) ja durchaus erlaubt ist. Mir ist eben gerade der erste Satz schon aufgestoßen: „Das folgende Foto ist wohl bisher mein erfolgreichstes Wettbewerbsfoto!“.

    Das Problem ist ja gerade – besonders in der Reportagefotografie und auch allgemein – das die Grenzen immer mehr verschwimmen, und es eben auch für Experten nicht mehr unterscheidbar ist was an Fotos „manipuliert“ wurde und was nicht, und was nicht – es sei denn der Effekt wird – künstlerisch beabsichtigt – stark überzeichnet. Und das liegt gerade auch an der Perfektion, die die Werkzeuge mittlerweile erreicht haben. So manches preisgekrönte Foto von renommierten Fotografen ist nachträglich als Collage entlarvt, und vom Thron gestoßen worden. Zu recht, wie ich meine. Da ging es zwar mehr um Reportage, aber ich finde das ist ein grundsätzliches Thema, das alle Bereiche der Fotografie tangiert.

    Dieser Widerspruch zwischen Überschrift und Textinhalt ist mir halt aufgefallen, und es hat mich interessiert ob an dem Wettbewerb auch Composite zugelassen – waren, und du es auch so eingereicht hast… oder eben als Fotografie…

    Das Maß der erlaubten Manipulation an einer Fotografie ist in manchen Gebieten eine Geschmacksfrage, in anderen Gebieten – wie der dokumentarischen Fotografie oder Reportagefotografie ein ziemliches No Go.

    Du hast natürlich recht, das (besonders im künstlerischen) nur das Ergebnis zählt. Dennoch würde ich ein Composit niemals als Fotografie auf einen Fotowettbewerb schicken – auf einen Wettbewerb für Bildbearbeitung und Composits schon. Übrigens bin ich der Meinung das du das Foto auch locker als „echte“ Fotografie hinbekommen hättest 😉 das zeichnet ja schließlich einen Fotografen aus, das er das hinbekommt – „auch damals“.

    Ich finde Composits auch wunderschön, und es gibt wahre Künstler auf dem Gebiet. Aber deren Werke sind auch eindeutig als solche zu erkennen. Sie würden ihre Werke nicht als Fotos bezeichnen, und das ist auch okay so.

    Nix desto trotz weiß auch ich die Möglichkeiten des digitalen Fotolabors, und der Retuschemöglichkeiten zu schätzen, bleibe aber gerne im Rahmen dessen, was eine Fotografie ausmacht.

    Ich wünsch dir noch viel Spaß beim Fotografieren, und das ist doch das Wichtigste, oder?

    lg Carsten

  11. Bernd schrieb:

    @ Carsten

    Danke für deinen ausführliche und sehr konstruktive Kommentar!

    So etwas vermisse ich in vielen Blogs, Foren oder Communities.

    Das Bild ist etwa 10 Jahr alt. Damals musste ich aus Neugier auch viel mit Photoshop ausprobieren. Das war für mich damals alles Neuland. Da kamen auch solch verfremdete Bilder heraus. Das manche davon auch beim ein oder anderen Fotowettbewerb Gefallen fanden, war ein schöner Nebeneffekt.

    Heute benutze ich Photoshop nur noch minimalistisch. Seit ich Lightroom habe eigentlich kaum noch. Photoshop wird dann nur noch für die Dinge die in Lightroom nicht gehen oder zu umständlich sind, oder nicht in der Qualität sind. bearbeitet.

    Zudem fehlt mir aus Hauptberuflichen Gründen für so lange Bearbeitungszeiten auch die erforderliche Zeit.

    Photoshop kommt bei mir derzeit für eine Retuschearbeiten, zum freistellen eines Motives und zum optimieren von Portraits zum Einsatz.

    Mit deinem Abschlußsatz hast du den Nagel auf den Kopf getroffen. Fotografieren soll Spaß machen!

    Ich wünsch auch dir noch viel Spaß beim Fotografieren!

    MFG
    Bernd

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