Ein interessanter Fall für die Ärzte!

Heute gibt es sogar zwei Fotos! Allerdings muß ich meine Besucher die wohl eher ästethische oder künstlerische oder einfach nur interessante Fotos gewohnt sind vorwarnen. Bei den Fotos handelt es sich wohl mehr um eine persönliche Dokumentation.

Heute vor einem Jahr entstand die Ursache für das folgende Foto. Am Gründonnerstag bekam ich Fieber. Der erste Gedanke war ein Grippevirus. Am Samstag war das Fieber fast wieder weg. Aber am Sonntag kehrte es erstaunlicherweise wieder zurück. Auch am Ostermontag hielt sich das Fieber weiter. Schnupfen oder andere Grippesymptome hatte ich allerdings nicht. Es war einfach nur nervig. Also ging ich am Dienstag nach Ostern zum Hausarzt.

Der machte verschiedene Untersuchungen und hegte den Verdacht das es wohl eine Harnleiterentzündung sein könnte? So sicher war er sich da aber auch nicht wirklich. Also verschrieb er mir erst mal Antibiotika. Das schien das Fieber zu reduzieren. Aber Fehlanzeige. Nach zwei weiteren Tagen stieg das Fieber wieder über 39 Grad an. Ich ging wieder zum Arzt und der wußte nun auch nicht mehr zum helfen. Überweisung ins nächste Krankenhaus.

Dort wurden weitere Untersuchungen gemacht. Viel geröngt, Ultraschall … halt alles was man heute so meint in unklaren Fällen untersuchen zu müßen. Beim Ultraschall wurden zwei Flecken an der Leber entdeckt die da nicht hingehörten. Der Fachmann redet hier von Abszessen. Dies sind eingekapselte vereiterte Stellen. Aber so sicher war man sich immer noch nicht. Der Ultraschall liefert da doch nicht so scharfe Bilder. Also ging es am zweiten Krankenhaustag zum CT-Röntgen. Das sollte die Vermutung bestätigen.

Bis dahin hatte ich jedem Arzt mitgeteilt das ich manchmal ein leichtes ziehen im rechten Unterleib verspüren würde. Aber alle meinten, davon käme kein Fieber und fertig. Auf diesen Hinweis hat allerdings die Ärztin beim CT-Röntgen einen Verdacht geschöpft. Sicherheitshalber hat sie nicht nur den Bereich um die Leber geröngt sondern auch noch gleich nach dem Blinddarm geschaut.

Und Volltreffer. Die Ursache stellte sich schnell heraus. Es war ein perforierte Blinddarm. Da er undicht war drang zwar langsam aber permanent Unrat in die Bauchöhle. Die Leber hat diesen lange Zeit beseitigt. Bis es irgendwann zu viel wurde und sie den überzähligen Unrat nur noch in Form von Abszessen binden konnte. So entstand auch das Fieber. Durch die Entzündungen an der Leber verursacht durch den undichten Blinddarm.

Das erstaunliche für alle Ärzte war das ich am Blinddarm nicht wie sonst akute Schmerzen hatte. Deswegen haben alle Ärzte erst einmal auf andere Ursachen getippt und gesucht. In ein paar Stunden lag ich im OP und wurde aufgeschnitten, Blinddarm bzw. den Wurmfortsatz entfernt und wieder ins Krankenzimmer geschoben.

Blinddarmnarbe

Blinddarmnarbe

Damit war die Tortur aber noch nicht vorbei. Das Fieber ist geblieben. Die Abszesse an der Leber waren ja noch vorhanden. Also wurde erst mal mein Blut untersucht um auszuschließen das ich keinen Fuchsbandwurm habe. In solch einem Fall würde man beim anstechen der Leber innerlich verbluten. Nach einer Woche nerviger Warterei war das Laborergebnis mit negativen Befund endlich da. Mir wurde dann zweimal die Leber punktiert. Oder Laienhaft ausgedrückt wurde der Eiter in den Abszessen ausgedrückt.

Nach der zweiten Punktierung hat sich auch endlich das Fieber verabschiedet. Allerdings hatte sich in der Zwischenzeit eine leichte Lungenentzündung dazu gesellt. Aber auch diese bekam man in den Griff. Nach drei Wochen durfte ich dann endlich das Krankenhaus mit vier Löchern im Körper verlassen. Vier Löcher? Eines vom Blinddarm. Ein zweites für die Drainage von der Blinddarm-OP und das dritte und vierte von den Leberpunktierungen.

Ich war dann noch weitere drei Wochen krank geschrieben und mußte nach 3 Wochen Krankenhausbett liegen auch erst mal wieder laufen lernen. Nach 10 Minuten leichtem spazieren gehen war ich bereits fix und fertig. Nach dem ich die Ernährung auf eisenhaltige Lebensmittel umgestellt hatte ging es fast tägich besser. Den Tipp hatte ich von meiner Schwägerin. Die arbeitet in Erlangen auf dem Gesundheitsamt. Ist ja eigentlich auch logisch. Durch die OP gab es einen hohen Blutverlust und dadurch war der Anteil an roten Blutkörpern sehr gering. Eisen ist ein Mineral das für die Herstellung von Hämoglobin = rote Blutkörper verantwortlich ist.

Nun nach einem Jahr sind die Narben ganz ordentlich verheilt. Hin und wieder zwickt die ein oder andere Narbe noch. Aber darüber kann ich heute nur noch Lachen. Hätte mein Hausarzt mich damals nicht gleich ins Krankenhaus überwiesen, wer weiß ob es mich heute noch gäbe?

Ich hoffe mit dem weniger ästhetischen Foto nicht zu sehr zu schocken. Das Foto entstand gleich nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Aufgenommen von meiner Frau mit Makrobjektiv und frontal geblitzt. Eine rein persönliche Dokumentation.

Zum Vergleich wie die Narbe heute aussieht. Ich denke die Narben sind nach nur einem Jahr bereits ganz gut verheilt. Selbst die Einstiche der Nadeln sind zum Großteil kaum noch sichtbar. Die Ärzte haben einen sehr guten Job gemacht 😉

Blinddarmnarbe in 2010

Blinddarmnarbe in 2010

Die Chance auf eine Entzündung am Wurmfortsatz (Anhängsel am Ende des Blinddarmes) liegt bei 8%. Normalerweise ist solch eine Reitzung und Entzündung mit starken Schmerzen verbunden. Bei einer rechtzeitigen Behandlung wo keine Komplikationen auftreten werden nur 3 Löcher gemacht. Über diese kleinen Löcher wird operiert. Diese verheilen danach relativ schnell und man kann in den meisten Fällen bereits nach 3 bis 5 Tagen das Krankenhaus wieder verlassen.

Ist der Wurmfortsatz perforiert ist es abhängig ob bereits Unrat in die Bauchhöhle ausgetreten ist. Ist dies der Fall muß weiter aufgeschnitten werden um die Bauchhöhle ausspülen zu können. Für ein paar Tage bekommt man noch eine Drainage wo möglicher Unrat noch abfließen kann (ein Schlauch mit Beutel).

Bei einem Durchbruch muß schnellstens operiert werden da hier größte Lebensgefahr für den Patienten besteht. Durch viel Unrat des Blinddarmes entsteht ein sehr großer Entzündungsherd. Eine Bekannte hatte einen Durchbruch und lag 3 Tage im Komma und insgesamt 3 Monate im Krankenhaus.

Die Chance das eine Reizung des Wurmfortsatze schmerzfrei wie bei mir ist liegt bei 1:1 Million! Sozusagen ein medizinischer Lottogewinn 😉


Über Bernd

Bereits in meiner Kindheit musste ich Motive fotografisch festhalten. Durch eine Ausbildung im Fotohandel habe ich mich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit der Fotografie beschäftigt. Seit einigen Jahen fotografiere ich Nebenberuflich für Bildagenturen. Meine Erfahrungen aus der Theorie und Praxis möchte ich in diesem Fotoblog an andere Fotofans weiter geben.

13 Kommentare zu Ein interessanter Fall für die Ärzte!

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  2. engelchen schrieb:

    Sauberer Schnitt 😉 und jetzt können wir alle behaupten, wir haben dir auf den Bauch geschaut 🙂 Ist auch super verheilt und wird mit den Jahren sicher noch verblassen. Miene Blindarmnarbe sieht man heute fast nicht mehr.Hats aber echt Glück gehabt, denn ein perforierter Blinddarm st sicher kein Spaß.

  3. ebola schrieb:

    Ja, ja. Mit dem Blinddarm ist nicht zu spaßen. Jetzt weiß ich wenigstens wie so eine Narbe nach der OP aussieht und nach einiger Zeit. Ist ja relativ klein und schon wieder sehr gut abgeheilt. Fällt heute bestimmt kaum mehr auf.

  4. stubenrockertet schrieb:

    Da hast du ja noch mal Glück gehabt! Ob ich Schmerzen erleiden musste, weiß ich (leider?) nicht mehr, da ich noch sehr klein war… Und herzlich willkommen im Club der Blinddarmwurmfortsatz-Losen! 😉

  5. shark00n1 schrieb:

    Ich gehöre zu den Menschen, die den Blinddarm noch haben, allerdings schon öfters Komplikationen damit gehabt haben 🙁
    Letztes Jahr hatte ich meine 2. Blinddarmreizung, das ist echt kein Spaß und sehr unangenehm. Der Arzt meinte, dass es nicht zwingend notwendig sei ihn zu operieren, Ich bin manchmal allerdings vom Gegenteil stark überzeugt und denke ab und zu an eine Operation bei erneutem Auftreten.
    Gut, dass deine Narbe jetzt schon relativ gut verheilt ist 😉
    ein schönes Wochenende wünsche ich noch.

  6. k-lose schrieb:

    Find es für ne Blinddarmentfernung sehr schlecht gemacht. Meine Narbe war nach wenigen Wochen verheilt. Hast aber echt Glück gehabt!!

  7. Dimedon schrieb:

    Glückwunsch zu der gut verheilten Narbe! Hast du da nach der OP Salbe für bekommen. Eine OP-Narbe von mir (ca. 1 Jahr alt) sieht trotz Narbencreme immer noch schlimm aus.

  8. Knuffelpack schrieb:

    Da ist die Wunde doch mal sauber zugeheielt und kaum ne Narbe zu sehen ^^ kann man von glück sagen hab auch ne wunde an der Stirn gehabt die genäht werden musste und da sieht man jedesmal wenn die Sonne scheint die Narbe auf meiner Stirn ^^

  9. Bernd schrieb:

    @ Dimedon
    OP Salbe gibt es wegen der Gesundheitsreform nicht mehr. Habe mir aber nach Anraten des Hausarztes selber eine gekauft.
    Kostet pro Tube um die 10€.
    Durch die Salbe wird auch das Gewebe weicher und die frische Narbe zwickt weniger.

  10. Dimedon schrieb:

    Ich musste die Narbencreme auch selbst bezahlen. 10€ kommt hin. Auf der Verpackung steht, dass sie die Durchblutung fördert und somit die Heilung. So ganz zufrieden bin ich nicht, aber wer weiß wie die Narbe sonst aussehen würde^^

  11. Knuffelpack schrieb:

    Mein Blinddarm ist auch draussen, und meine Wunde ist damals auch sauber zugeheielt. Ih hatte auch ie probleme damit gehabt das die Narbe weh tat. Das einzige ist wenn ich mich im Sommer Sonne und schön braun werde bleibt die Narbe weiss und man sieht sie deutlicher ^^ genauso mit der Narbe an der Stirn die sieht man im Sommer auch besser als im Winter.

  12. redscorpion012 schrieb:

    Also ich mache ja um Krankenhäuser und Arztpraxen lieber einen großen Bogen,aber in dem Fall kannst Du ja von Glück reden das Du noch lebst das hätte ja auch schief gehen können wenn man bedenkt das die dafür so lange gebraucht haben um den Auslöser zu finden.Die Narbe finde ich ist da immer erstmal Zweitrangig.

  13. Bjoern - Narbe schrieb:

    Ein Interesanter Blog. Da hast du ja ganz schön schwein gahabt. Das hätte auch schiff ausgehen können.

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