Lohnt sich die Mirco-Stockfotografie für Fotografen?

Immer wieder wird mir in Kommentaren oder per Mail diese Frage gestellt. Lohnt sich die Stockfotografie überhaupt?

Ich beantworte diese Frage meist mit einer Gegenfrage. Was verstehst du unter lohnen?

Und prompt ist die Diskussion beendet, da der Fragesteller selber keine Antwort zur Gegenfrage hat!

Es ist logisch, daß durch meine Gegenfrage eine weitere Diskussion erst einmal abgewürgt wird. Zu komplex und vielfältig sind die Varianten, Einflüsse, Erfahrungen, Ansprüche und persönlichen Definitionen für diese Antwort.

Es gibt sehr, sehr viele Aspekte mit Vor- und Nachteilen die zu einem sehr unterschiedlichen Ergebnis führen können.

Auch die Stockfotografie hat ihre Vor- und Nachteile. Da es sie aber gibt, wäre es sicherlich verkehrt, wenn man sie nur als Preistreiber verurteilen würde. Schließlich bietet sie auch einige Chancen für neue Umsätze und Märkte. Mit der passenden Strategie kann fast jeder Fotograf auch mit der Stockfotografie gutes Geld verdienen.

In den letzten beiden Artikeln habe ich bereits einige der Vorteile und der Nachteile von Stockagenturen aufgelistet. In diesem Beitrag geht es aufzuzeigen ob sich das verkaufen von Fotos über Stockagenturen für den einzelnen lohnen könnte?

Lohnt sich die Mirco-Stockfotografie für Fotografen?

LOHNEN wird fast jeder anders definieren!

Im Hauptberuf bin ich Kaufmann. Als Nebengewerbe bin ich als Webdesigner und SEO-Spezialist unterwegs. Da ist die Vermarktung von produzierten Fotografien über Stockagenturen ein Nebenverdienst beim Nebengewerbe. Warum sollte ich diese Einnahmen sausen lassen?
Einmal bei einer oder mehreren Stockagenturen hochgeladen und akzeptiert, brauche ich nur noch auf die Verkäufe warten und die Bildhonorare kassieren.
Ich spare mir die Zeit für das Schreiben von Angeboten, Preisverhandlungen, Rechnungen schreiben und im schlimmsten  Fall auch noch dem Geld hinterher zu rennen. Was will ich mehr?
Ok, mehr Umsatz wäre schön. Aber das hängt an mir selber. Dafür bräuchte ich ja nur mehr zu fotografieren!
Derzeit mache ich im Jahr etwa 800 € Umsatz bei verschiedenen Stockagenturen.
Das ist nich viel. Aber für ein Nebenerwerb eines Nebengewerbes ist es für mich OK.

Lohnt sich die Mirco-Stockfotografie für Fotografen?

Lohnt sich der Aufwand für die paar Kröten?
Da amortisiert sich ja nicht einmal die Fotoausrüstung, geschweige Honorare für Models?
So gesehen ist dies richtig. Da ich aber meine Fotoausrüstung in erster Linie als Webdesigner nutze, hat sie sich in dem Bereich bereits amortisiert 😉

Unter den Stockfotografen gibt es einige, die sich auf einen Motivbereich oder ein Genre spezialisiert haben. Diese können sich sicherlich nicht alle ihren Lebensunterhalt nur mit der Stockfotografie verdienen. Solche Fotografen und Webdesigner nutzen die Chancen von Stockagenturen und verkaufen ihre Ideen und Kreationen über Stockagenturen und realisieren so einige tausende von Euro im Jahr.

Hier ein paar Beispiele:

  • Matt Antonio berichtet über seine monatlichen Einnahmen bei Stockagenturen. Hier geht es zum Bericht vom September 2010. Matt betreibt die Stockfotografie als zusätzliche Einnahmemöglichkeit.
  • Marek berichtet in seinem Blog ebenfalls über seine Erfahrungen in der Stockfotografie. Oft untermauert er seine Artikel sehr anschaulich mit aussagekräftigen Diagrammen und Grafiken.
  • Und Robert Kneschke beweist hin seinem Blog daß man mit der Stockfotografie alleine sogar seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Dort gibt er einen Rückblick auf die ersten zwei Jahre Micro- Stockfotografie.

Dies sind nur ein paar Beispiele aus dem Internet. Viele erfolgreiche Stockfotografen kommunizieren nicht so offen über ihre Erfolge.

Lohnt sich die Stockfotografie für Fotografen?

Sicherlich ist es schwer bei der vorhandenen Masse an Bildmaterial neue Motive und Ideen zu finden.
Öfters höre ich auch den Einwand „Es gibt wohl nichts, was noch nicht fotografiert sei„. Erstaunlich, daß dies sogar Berufsfotografen von sich geben? Mit dieser Einstellung sollte man die Fotografie völlig einstellen.
Das diese Aussage schlichtweg falsch ist, beweist mal wieder Robert Kneschke in seinem Blog. Im jüngsten Artikel über seinem bisher teuerstes Shooting, beweist er, daß es immer noch in einigen Bereichen Bedarf nach neuen Fotos gibt.

Aber auch meine Erfahrung ist da oft positiver. Selbst mit bereits vorhandenen Fotomotiven erziele ich mit neuen Bildern oft doch Umsätze!
Zum einen kann man ein Motiv fast unendlich in vielen Varianten fotografieren. Zum anderen kann man bei Online-Agenturen auch über die Verschlagwortung noch weiteres Potential abschöpfen.

In diesem Jahr war ich zum Beispiel auf einer Bonsai-Ausstellung. Bonsai ist ein Hobby von mir. Nun gibt es bei einigen Micro-Stockagenturen bereits gutes bis sehr gutes Bildmaterial. Trotzdem habe ich auf der Ausstellung fotografiert, da ich für meinen Bonsai-Blog Bildmaterial benötigt habe. Eigentlich nur zum testen habe ich einige der Fotos auch bei Stockagenturen hochgeladen. Und siehe da, bereits nach den ersten Tagen wurden die ersten Bilder verkauft!
Warum? Ganz einfach. Ich habe die Pflanzen auch mit den wissenschaftlichen Namen verchlagwortet. Dies ist bei vielen sehr guten Bonsai-Fotos nicht der Fall!

Zierapfel als Bonsai

Zierapfel als Bonsai

Obwohl die meisten Fotos durch die schlechten Lichtverhältnisse von der Ausleuchtung nicht optimal sind, werden die Bilder auf Grund ihrer korrekten Fachbezeichnungen gefunden und gekauft.

Für mich lohnt sich die Stockfotografie, da ich so neben meinem Gewerbe als Webdesigner noch zusätzliche Einnahmen realisieren kann. Wenn einmal die Bilddateien online sind, brauche ich mich nur noch um die Auszahlungen zu kümmern. Ich habe danach also relativ wenig Zeitaufwand.

Für manche Berufsfotografen bringen die Stockagenturen zusätzliche Einnahmemöglichkeiten ein. Viele davon haben sich dann meist auf ein Genre spezialisiert. Ob dies die People-Fotografie, Stillife, Food oder der Grafikbereich ist, ist dann wohl eine Frage der persönlichen Vorlieben und Ideen.

Wenige Fotografen verdienen sogar mit der Micro-Stockfotografie ihren Lebensunterhalt. Dies geht nur wenn man sehr gut organisiert ist und Fotoproduktionen günstig abgewickelt werden. Eine weitere Voraussetzung ist das konsequente Umsetzen einer solchen Unternehmung. Wer damit startet, muß erst einmal mit Investionen für die Ausrüstung rechnen. Man sollte im Jahr viele Fotos produzieren können. Dazu gehört auch eine ordentliche Portion Ausdauer. Mehrere tausend Bilder, die bei Agenturen online sind,  wären da schon erforderlich um Geld verdienen zu können.

Lohnt sich die Micro-Stockfotografie für Fotografen?

Was meint Ihr dazu?
Wie sind eure Erfahrungen mit Micro-Stockagenturen?
Nutzt Ihr diese auch?
Wenn ja, als Haupt- oder Nebenerwerb?


Über Bernd

Bereits in meiner Kindheit musste ich Motive fotografisch festhalten. Durch eine Ausbildung im Fotohandel habe ich mich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit der Fotografie beschäftigt. Seit einigen Jahen fotografiere ich Nebenberuflich für Bildagenturen. Meine Erfahrungen aus der Theorie und Praxis möchte ich in diesem Fotoblog an andere Fotofans weiter geben.

6 Kommentare zu Lohnt sich die Mirco-Stockfotografie für Fotografen?

  1. Uwe Landgraf schrieb:

    Da ich gerne fotografiere fällt die Anschaffung der Kamera sowie diverser Objektive in meine Berechnung mit ein.

    Insoweit lohnt sich die Stockfotografie für mich. Es ist ein nettes Zubrot und nach einiger Zeit kommt vllt. sogar mal ein Objektiv oder ein sonstiges Zubehörteil dabei heraus, dessen Anschaffung ich sonst unter Umständen noch zurück gestellt hätte.

    lg Uwe

  2. Viet schrieb:

    Hey ich habe da eine kleine Frage:

    Darf ich eigentlich die selben Fotos auf unterschiedliche Plattformen hochladen?

  3. Bernd schrieb:

    @ Viet
    Fotos, die du nirgends exklusiv verkaufst, kannst du natürlich über verschiedene Agenturen verkaufen. Die Vergütung ist dann aber meist geringer als bei einem Exklusiv-Verkauf nur bei einer Bildagentur. Allerdings erhöhen sich dadurch auch die Verkaufschancen.

  4. Viet schrieb:

    Danke für den Tipp 🙂

  5. rue schrieb:

    Sehr interessanter Blog. Lese hier schon einige Zeit verschiedene Artikel durch. Ich frage mich nur, bei einer so großen Fotoproduktion (für mich ist das viel), da braucht Du doch auch ein große Storage- und Backup-Equipment. Ein normaler PC dürfte schnell an Grenzen stoßen oder?

  6. Bernd schrieb:

    @ rue
    was ist ein normaler PC?

    Die meisten hauptberuflichen Fotografen setzen einen Mac ein. Ich als Nebengewerbler musste zum Start noch etwas auf die Anschaffungskosten achten und habe einen flotten PC mit den zwei 1GB Festplatten gekauft. Der Arbeitsspeicher wurde auch erhöht. Die beiden Festplatten sind über Raid synchronisiert. Wenn eine ausfällt, übernimmt die andere die Arbeit. Sodass bei einem Festplattencrash, keine Daten verloren gehen.

    Wöchentlich werden die Bilddateien noch auf eine externe Festplatte gesichert.

Schreibe einen Kommentar

Please use your real name instead of you company name or keyword spam.