Bild-Editoren bei Bildagenturen als Verhinderer von Verkaufsmöglichkeiten?

Bereits vor kmapp drei Jahren habe ich über meine subjetiven Eindrücke bei den Annahmen von Microstock-Bildagenturen berichtet.

In dieser Zeitspanne hat sich zum einen mein fotografischer Schwerpunkt verändert.

Aber auch die Erfolgschancen für manche Foto-Motive haben sich bei der ein oder anderen Bildagentur verändert. Inzwischen haben die meisten Microstock-Bildagenturen über 20 Millionen Bilder zum Verkauf von Lizenzen online.

Viele Bildagenturen wurden in den letzten Jahren von einigen Bilder-Fabriken, meist aus Asien, überschwemmt. Es wird schwieriger gut verkäufliches Bildmaterial online zu bekommen.

Bei gut gemachter fotografischer Umsetzung werden aber häufig gesuchte Foto-Motive weiterhin mit hoher Annahmequote akzeptiert. Das ist aber oft auch von der fototechnischen Umsetzung, Bearbeitung und Verschlagwortung abhängig. Ob sich die Fotomotive in der Bilderflut auch verkaufen ist wieder von anderen Faktoren, auf die der Fotograf keinen Einfluss hat, abhängig.

Je nach Suchalgorythmus der einzelnen Bildagentur liegen da Glück und Pech nah beieinander. Aber auch die Auswahl der Fotos durch die Prüfer kann bereits eine erste Hürde für den Fotografen darstellen.

Was ich damit meine möchte ich heute an ein paar sehr einfachen Motiven zeigen.

Mich erstaunt es immer wieder, was man bei Microstock-Bildagenturen für einfache Motive verkaufen kann!

Auf einer Bastel-Messe habe ich einen rot-weiß karierten Stoff gekauft. Im Gegensatz zu den üblichen quadratischen Vichy-Musterungen hat er sich aus der Masse der vorhandenen Motive etwas unterschieden:

Altes Brett aus Holz und kariertes Tuch

Altes Brett aus Holz und kariertes Tuch

Das Karo-Muster ist anders. Meine Verkaufschancen schätzte ich dennoch sehr gering für solch ein Motiv ein. Von diesem Motiv gibt es noch viele weitere Varianten mit Kochlöffel, Löffel, Besteck, Lebensmitteln …

Im Prinzip war es ein Versuch ob es einen Markt für solche Hintergrund-Motive gibt. Zur Ergänzung habe ich mir auch noch die bekannten Vichy-Karo-Stoffe gekauft. Rot-weiß. Rosa-weiß. Türkis-weiß und noch andere Farben.

Erstaunt war ich, dass diese Motive von den meisten Bildagenturen zu über 90% akzeptiert wurden. Lediglich Coverpicture hat für einen Großteil der Motive keine Verkaufschancen gesehen. Bei Fotolia und Shutterstock hat es sich sogar ganz gut verkauft. Keine Ahnung warum Coverpicture dieses Motiv abgelehnt hat?

Ein weiteres Beispiel entstand aus der Malerei 😉

Vor gut zehn Jahren habe ich hin und wieder Aquarelle gemalt. Heute habe ich dafür keine Zeit mehr. Ich hatte allerdings noch reichlich Aquarellpapier und Aquarellfarben vorrätig. Da war es naheliegend einfach mal ein paar einfache Aquarell-Hintergründe zu malen und diese anschließen zu fotografieren. Vielleicht läßt sich solch ein Motiv auch verkaufen?

Im Prinzip war es nur ein Versuch. Monochrome wird sicherlich nicht so gefragt sein. Ohne Verfremdung in der Nachbearbeitung rechnete ich mir geringe Verkaufschancen aus. Vielleicht werden solche Motive überhaupt nicht akzeptiert? In solchen Fällen gibt es nur ausprobieren.

So entstanden etwa zwanzig verschiedene Aquarell-Hintergründe. Die meisten einfarbig in der Lasurtechnik  mit wässrigen Farbauftrag, damit die Farbe auch schön gleichmässig verläuft. Einige Tupfer unverdünnte Farbe vom gleichen Farbton in die noch nasse Farbe aufgepinselt bringt manche Farben zum ausblühen. Es enstehen hellere und dunklere Stellen. Halt typisch für die Aquarellmalerei.

Fotolia hat alle einfarbigen Aquarell-Hintergründe abgelehnt! Nur die zwei mehrfarbigen wurden angenommen. Ein Motiv davon wurde auch in den ersten Wochen ein paar Mal verkauft. Inzwischen nicht mehr. Wahrscheinlich ist es bereits in der Bilderflut untergetaucht.

Shutterstock hat fast alle akzeptiert! Und eines davon verkauft sich sogar recht gut! Eines von zwei rosa Motiven ist mehrmals die Woche unter den Verkäufen zu finden:

Rosa Aquarell Hintergrund

Rosa Aquarell Hintergrund

Die meisten Bildagenturen hatten zu diesem einfarbigen Motiv eine ablehnende Haltung. Vielleicht ist es zu schlicht? Zu grafisch? Zu banal?

Warum akzeptiert dann Shutterstock solche Motiv? Shutterstock dürfte auf Grund des Abo-Bezahl-Systemes viele Grafiker als Kauf-Kunden haben. Diese sind vermutlich häufig nach neuen Motiv-Teilen. Sowohl Hintergründe als auch Motiv-Bestandteile werden von solchen Kunden regelmässig gesucht. Ein handgemaltes einfarbiges Aquarell wirkt da trotz seiner Schlichtheit sehr individuell. Auch die Körnung des Papieres ist sichtbar. Also ein sehr authentisches Aquarell.

Komisch finde ich allerdings, dass sich das Rosafarbene am besten verkauft. Die anderen Farben verkaufen sich da wesentlich seltener. Vielleicht werden in rosa weniger Motive angeboten? Oder die Nachfrage ist derzeit in rosa einfach höher?

Alle guten Dinge sind drei:

Aquarellfarben

Aquarellfarben

Das Motiv ist aus meine Aquarellfarbkasten. Dort wo die Farben gemischt werden. Man sieht die verschiedenen Farbschichten und Farbklekse sehr transparent und ineinander laufend. Warum nicht als Foto verkaufen?

Gedacht und getan. Fotolia hat alle drei Motive abgelehnt. Shutterstock hat alle drei Motive angenommen. Alle drei werden einige Male verkauft. Das oben gezeigte wird über 20 Mal verkauft.

Die meisten der anderen Bildagenturen lehnen diese Motive ebenfalls ab. Ein Irrtum bei den Bildeditoren?

Ich weiß es nicht. Vielleicht haben manche Microstock-Bildagenturen keine Grafiker als Kunden? Vielleicht mangelt es einigen Bild-Editoren an Phantasie, dass solch abstrakte Motive verkäuflich sein könnten? Zumindest haben die meisten Bildagenturen eine Sparte für abstrakte Motive.

Hier handelt es sich um ein grafisches Element. Dieses kann überall wo es um Leichtigkeit, Kunst und Farben geht eingesetzt werden. Selbst als grafisches Logo wäre es brauchbar.  Kein Wunder also, dass bei Shutterstock Verkäufe realisiert werden konnten.

Eines haben alle drei Foto-Motive gemeinsam. Sie sind anders als die bisherigen Motive bei den Microstock-Bildagenturen. Sie unterscheiden sich zu den bisherigen Motiven. Sie sind schlicht und können für grafische Arbeiten, Hintergründe, Bildmontagen vielseitig eingesetzt werden.

Die Verkaufsmöglichkeiten bei solch schlichten und einfachen Motiven werden allerdings von vielen Bild-Editoren verkannt. Zu abstrakt oder einfach sind die Motive, dass in der Bilderflut spontan eine Verkaufsmöglichkeit abgeleitet werden kann. Zu eingefahren ist der Blick vieler Bild-Editoren bei den Microstock-Bildagenturen.

Das finde ich schade, da ich solche Motive auch gerne bei anderen Bildagenturen verkaufen möchte. Die meisten Bildagenturen sind da offenbar ziemlich unflexibel. Lediglich bei Dreamstime habe ich eine leichte Verbesserungen bei der Bildannahme feststellen können. Motivvarianten werden dort seit einiger Zeit nicht mehr pauschal abgelehnt. Auch der rosa Aquarell-Hintergrund wurde dort akzeptiert und hat sich bereits einige Male verkauft.

Die ablehnenden Bildagenturen haben Verkaufsmöglichkeiten vertan.

Dieser Bericht soll nun nicht Anlass zum kopieren geben. Dupletten sind bei gemalten Motiven sowieso meist nicht 1:1 realisierbar. Aquarelle sind sowieso wegen der unkontrollierbaren Fließfähigkeit des Wassers oft Zufallsergebnisse. Und nachgemachte Motive mit ähnlichen Stoffen führen in der Bilderflut nicht automatisch zu Verkäufen.

Dennoch möchte ich andere Stockfotografen dazu anregen ruhig mal einfache Motive, die es in ihrer Art und Weise noch nicht gibt einmal als Foto oder Grafik anzubieten. Trotz einiger Ablehnungen, wird man die meisten grafischen und einfarbigen Motive die ein Alleinstellungs- oder Untercheidungs-Merkmal haben durchaus verkaufen können. Der fotografische Aufwand ist hier meist sehr gering. Die Verschlagwortung ist da meist zeitaufwändiger aber dennoch lohnend.

Bildagenturen die solche Motive ablehnen, vertun Verkaufschancen!

Welche Erfahrungen habt ihr mit einfachen grafischen, gemalten oder einfarbigen und einfachen Motiven gemacht?

Über Bernd

Bereits in meiner Kindheit musste ich Motive fotografisch festhalten. Durch eine Ausbildung im Fotohandel habe ich mich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit der Fotografie beschäftigt. Seit einigen Jahen fotografiere ich Nebenberuflich für Bildagenturen.Meine Erfahrungen aus der Theorie und Praxis möchte ich in diesem Fotoblog an andere Fotofans weiter geben.

2 Kommentare zu Bild-Editoren bei Bildagenturen als Verhinderer von Verkaufsmöglichkeiten?

  1. Thomas schrieb:

    Hallo Bernd,

    habe deinen Blog erst gerade entdeckt. Gibt einiges interessantes hier und so einige Parallelen zu meinen Tätigkeiten. 🙂
    Ich betreibe auch einen Blog über Fotografie und biete Stockfotos an. Habe vor kurzem mal einfache Texturfotos von z.B. Schotter (kleinen Steinen) oder Steinmauern hochgeladen. Wurden auch extrem unterschiedlich angenommen. Dort wo sie angenommen wurden bin ich aber mit den Verkaufszahlen durchaus zufrieden.

    Grüße aus Südtirol,
    Thomas

  2. Bernd schrieb:

    Hallo Thomas,

    das deckt sich mit meinen Erfahrungen von Texturen und Hintergundmotiven.
    Ablehnquote oft hoch. Die angenommenen verkaufen sich meist erstaunlich gut bis sehr gut.
    Cooler Fotoblog den du da betreibst.
    Werde mich mal durchlesen.

    Schönen Gruß
    Bernd

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