Extreme Makro-Fotos mit Focus Stacking

Seit einigen Monaten beschäftige ich mich sehr intensiv mit der Makrofotografie. Insbesondere die Fotografie näher als der Abbildungsmaßstab 1:1.

Nun gibt es für den Bereich kein Geheimrezept. Es gibt kaum industriel gefertigte Fotogeräte. Lediglich das Canon MP-E 65mm 2,8 Lupenobjektiv ist ein Industrieprodukt womit man bis zum Abbildungsmaßstab 5:1 fotografieren kann.

Da ich mit dem Nikon-System fotografiere kam diese etwa 1200 € Objektiv erst einmal nicht in Frage. Auf der Suche nach Lösungen wurde mir schnell klar, das man in dem fotografischen Bereich vieles ausprobieren und basteln muß.

Mit dem Nikon AF-D 2,8/60mm, dem Nikkor AF-S 2,8/105mm und dem PC-E 2,8/45mm bin ich schon sehr gut für den Makrobereich ausgestattet. Aber beim Abbildungsmaßstab 1:1 ist Schluß.

Um ein Motiv noch näher ablichten zu können habe ich mir einen Vorsatzachromaten und verschiedene Zwischenringe gekauft. Da Nikon keinen Automatik-Zwischenring anbietet, griff ich zu einem günstigen chinesischen Fabrikat. Auf dem Foto ist der Zwischenringsatz rechts abgebildet:

M42 + Nikon F Zwischenringe

M42 + Nikon F Zwischenringe

Damit komme ich mit dem 60mm auf 2,1:1. Das ist schon ganz gut 😉
Mit 80€ noch recht günstig. Allerdings ist die Verarbeitungsqualiät im Mittelmaß angesiedelt. Kunststoffgehäuse mit schwergängigen Ringen. Sie funktionieren bisher zuverlässig.

Der linke Zwischenringsatz ist für M42. Der kam später dazu. Zwei habe ich davon gekauft. 10€ kostet ein M42 Zwischenringsatz. Wozu ich diese benötige, komme ich später.

Nun sind die Makroobjektive für den Nahbereich 1:1 berechnet. Wenn man näher an ein Motiv geht, reduziert sich die Bildqualität.

Eine bessere Qualität erhält man oft mit einem 1,8/50er oder 2,8/28er mit mechanischer Blendeeinstellung. Solch ein Objektiv habe ich allerdings nicht mehr. Und von Nikon kosten diese gebraucht auch meist über 100 €. Ein 28er sogar oft mehr.

Nach langer Recherche fiel meine Entscheidung auf ein Vergrößerungsobjektiv! Diese sind für den Nahbereich berechnet. Und in Retrostellung kann man damit durchaus bis zum Abbildungsmaßstab 3:1 – 7:1 sehr gute Makrofotos machen. Die optimale Bildqualität hängt vom einzelnen Hersteller und der Brennweite ab. Da gibt es leider keine einheitlichen Werte. Ausprobieren oder Infos von anderen Makrofotografen ist der einzige Weg. Mangels eigener Objektive habe ich mich da auf Erfahrungswerte anderer Makrofotografen verlassen.

Vergrößerungsobjektiv Schneider Componon-S 2,8/50 mm

Vergrößerungsobjektiv Schneider Componon-S 2,8/50 mm

Ich ersteigerte bei Ebay ein Schneider Componon-S 2,8/50mm. Das errinnert mich an meine jugendliche Laborphase. Da besaß ich dieses Vergrößerungsobjektiv schon einmal und habe damit Schwarzweiß und Cibachrome-Vergrößerungen gemacht.

Auf dem Foto ist es auf einem kurzen M42 Zwischenring adaptiert. Dieser wiederum ist auf einem Nikon-F-Adapter. Das Objektiv setzte ich in Retrostellung ein. Meist verwende ich es mit Blend 4,7. In dem Bereich hat es die maximale Schärfe und Bildqualität im extremen Nahbereich.

Kostenpunke 80€. Alternativen sind das Rodagon 2,8/50 und Nikon EL 2,8/50. Mit etwas Geduld bekommt man diese vereinzelt auch schon ab 50€. Geduld ist allerdings nicht meine Stärke 😉

Das Vergrößerungsobjektiv verwende ich mit den M42 oder Nikon-Zwischenringen. Das ganze bleibt so noch handlich. Wenn es extremere Makros sein sollen verwende ich ein Balgengerät von Novoflex:

Novoflex M42 Balgengerät

Novoflex M42 Balgengerät

Gebraucht bei Ebay mit M42-Anschluß für knapp 80€ erworben. 1a Zustand! Ein Nikon oder Canon kostet gebraucht meist das doppelte oder sogar ein vielfaches. Und für M42 gibt es für fast jedes Kamerasystem passende Adapter. Das sich dadurch das Auflagemaß verändern kann, ist beim Balgengerät kein Nachteil. Das Novoflex was ich ersteigert habe hat sogar noch einen Einsteillschlitten (unten). Optimal um die Kamera zum Motiv in den gewünschten Schärfebereich zu bringen.

Ein Stativ war schon vorhanden. Verschiedene Adapter für Kamera und Objektiv kamen noch dazu. Diese werden von einigen Händlern oder bei Ebay angeboten.

Dritte Hand

Dritte Hand

Eine dritte Hand ist bei extremen Makrofotos sehr hilfreich. Ich habe 3 davon. Die gibt es online oder in 1€ Läden, Baumärkten ab ca. 10€ das Stück. Aldi und Lidl haben die dritte Hand auch manchmal im Angebot. Damit kann man alles mögliche in Position bringen und fixieren. Fotomotiv, Hintergrund, Reflektoren …

Nikon Fernauslöser MC-DC2

Nikon Fernauslöser MC-DC2

Da bisher 3 Fernauslöser für meine Nikon D7000 und D610 versagtzen mußte endlich eine zuverlässige Lösung her. Ein Fernauslöser mit Kabel.

Was passiert überhaupt beim Focus Stacking?

Im Nahbereich hat man eine sehr geringe Schärfentiefe. Bei manchen Motiven möchte man das gerne ändern. Da die Schärfentiefe ein optisches Gesetz ist, lässt sich daran nichts ändern?

Doch mit Focus Stacking. Man macht mehrere Fotos mit unterschiedlichen Schärfenbereichen. Dazu gibt es drei Möglichkeiten:

  • Man verstellt vor jedem Einzelfoto die Schärfe am Objektiv – Im Nahbereich oder entfernten Motive kann diese Lösung funtkionieren. Im extremen Nahbereich nicht. Dazu fehlt meist ein feine Skala.
  • Man bewegt die Kamera auf das Motiv zu oder weg. Ein Einstellschlitten wie beim obigen Balgengerät ist hier die Lösung. Nachteil ist, daß durch die Bewegung auch der Bildausschnitt verändert werden kann. Ein Millimeterbruchteil reicht da schon und die Aufnahme ist versaut. Bei 10 – 20 Stacking-Fotos kann es dennoch ein mögliche Lösung sein. Vor allem bei Aufnahmen im Freien von Insekten ist es oft die einzig praktikable Lösung die zu guten oder sehr guten Ergebnissen führen kann.
  • Man bewegt das Motiv auf die Kamera zu! Ein Kreuztisch aus dem Werkzeugbereich kann dies. Der Proxxon KT70 ist der günstigste seiner Art. ca. 80€. Damit kann man das Motiv um 0,1 mm bewegen. In manch extremen Bereich ist dies sogar erforderlich!
Proxxon KT70 Kreuztisch

Proxxon KT70 Kreuztisch

Ein sehr praktischer Helfer bei Stacking-Aufnahmen im Fotostudio.

Testaufbau zur Ermittlung der optimalen Schärfe

Testaufbau zur Ermittlung der optimalen Schärfe

Das Schneider-Vergrößerungsobjektiv habe ich mit Millimeter-Papier getestet. Dabei habe ich es in verschiedenen Abbildungsmaßstäben von 2:1, 3:1 und 5:1 ausgestet. In jedem Abbildungsmaßstab mit jeder Blendeneinstellung. Besser als Millimeterpapier ist ein Testbild. Das Millimeterpapier war mangels Testbild eine Notlösung.

Danach werden die Bilder am RAW-Konverter auf ihre Schärfe und mögliche Wiedergabefehler beurteilt und verglichen. Im Prinzip hat sich bei meinem Schneider-Objektiv bestätigt was andere mit dem Objektiv bereits berichtet haben.

Da jedes Objektiv im Makrobereich Abweichungen haben kann, kommt man an diesem Test nicht vorbei. Ohne diesem kann man die Fototechnik nicht gezielt und optimal einsetzen.

Kommen wir mal endlich zur Sache. So sah meine zweiter Setaubau aus:

Aufbau für Focus Stacking 2:1 bis 5:1

Aufbau für Focus Stacking 2:1 bis 5:1

Nikon D610 mit M42 Balgengerät + Zwischenring + Schneider 2,8/50 mm in Retrostellung.
Motiv eine tote Fliege mit Sekundenkleber auf eine Stecknadel geklebt und in Fotoknet gesteckt. Hintergrund ist ein grüner Aquarellhintergrund.

Ergebnis:

Focus Stacking 41 Fotos - Stubenfliege

Focus Stacking 41 Fotos – Stubenfliege

Die Fliege von der Seite:

Stubenfliege von der Seite

Stubenfliege von der Seite

Den Abbildungsmaßstab habe ich nicht berechnet. Das erste Fliegenfotos dürfte ca. 3:1 sein. Das zweite ca. 5:1.

Käfer mit Focus Stacking

Käfer mit Focus Stacking

In einem dritten Testaufbau habe ich einen toten Rüsselkäfer aus Indonesien mit dem AF-D 2,8/60 mm ca. 3:1 aufgenommen.

Die Schärfe war tatsächlich geringer als beim Schneider. Ich mußte das Foto wesentlich stärker nachschärfen als beim Schneider-Objektiv! Beim Nikon 60er kann man allerdings stärker abblenden ohne große Qualitätsverluste in der Bildqualität zu bekommen. Beim Schneider ist bei Blende 4,7 die optimale Bildqualität. Weiter abblenden bringt starke Verschlechterungen in der Qualität.

Die Fotos werden mit einer Software zu einem Foto mit höherer Schärfentiefe gerechnet. Das ist mit unterschiedlichen Programmen möglich.

  • Photomerge in Photoshop. Bei meinen Tests war Photomerge sehr unpräzise. Die Nachbearbeitung wäre sehr hoch gewesen.
  • Combine ZP, Enfuse/Enblend und MacroFusion als kostenlose Open Source Software
  • Helicon Focus und Zerene Stacker als kostenpflichtige Software. Teilweise ein gratis Monat zum testen

Ich nutze inzwischen Helicon Focus. Es brachte bei meinen bisherigen Versuchen die besten Ergebnisse. Es gibt aber fast kein Stacking-Foto was man nicht noch etwas nachbearbeiten muß.

Mein extremer Makroweg ist noch nicht zu Ende. Der Setaufbau soll noch verfeinert werden. Die Fliegenaufnahmen entstanden mit Tageslicht. Die Belichtungszeiten sind zu lang. Der Käfer wurde mit einer LED-Leuchte aufgenommen. Tests mit zwei Blitzen und oder einer LED-Dauerlichtleuchte sind geplant. Ziel ist es einen festen Aufbau zu finden, der für viele Studio-Makro im Bereich 2:1 bis 7:1 als Grundeinstellung dient.

In der Bucht habe zwei weitere Objektive für insgesamt 50€ ersteigert.

Carl Zeiss Jena Biotar 2/25 mm Objektiv

Carl Zeiss Jena Biotar 2/25 mm Objektiv

Ein Carl Zeiss Jena Biotar 2/25mm Objektiv. Mit vollem Balgenauszug sind damit 7:1 möglich.

Carl Zeiss Jena Biotar 2/12,5 mm

Carl Zeiss Jena Biotar 2/12,5 mm

Und ein Carl Zeiss Jena Biotar 2/12,5 mm. Theoretische 13:1 wären damit mit vollem Balgenauszug möglich?! Ob das bei dem extrem kurzen Aufnahmeabstand überhaupt realisierbar ist?

Beide Objektiv sind aus den 50er – 60er Jahren und für die Pentaka 8 konstruiert worden. Einer Doppel-8 Filmkamera. Leuchten diese Objektiv überhaupt ein Vollformat oder Crop-Kamera aus? In Retrostellung ab einem bestimmten Abbildungsmaßstab vergrößern die Objektive das Motiv. Also kein Problem auch nicht für Vollformat!

Allerdings gibt es für das seltsame 28,4 x 0,5 mm Gewinde keinen Adapter. Selber drehen? Da habe ich weder Wissen noch Werkzeug. Also muß ich mir da noch etwas einfallen lassen. Irgendetwas kann man sicherlich basteln.

Die optimale Bildqualität in diesem Nahbereich erhält man mit einem Lupenobjektiv. Das Nonplusultra sind die Luminare. Diese sind für das Mittelformat berechnet und erzielen eine sehr hohe Bildschärfe, je nach Brennweite, in ihrem optimierten Abbildungsmaßstab.

Da ich nicht vorhabe mit der Makrofotografie reich zu werden, habe ich mich für diese kostengünstigen Lösungen entschieden. Zudem sind die Bastelaufgaben ja auch eine weitere Herausforderung 😉

Focus Stacking ist auch mit Makro-Objektiven hilfreich.

Kaktus mit Focus Stacking

Kaktus mit Focus Stacking

Der Kaktus besteht aus 20 Einzelfotos. Aufgenommen mit einem Nikon AF-D 2,8/60 mm bei Blende 8. Mich hat es bei den meisten Kakteenfotos immer geärgert, daß die Blüte nicht durchgängig scharf ist. Vor allem bei kleineren Arten liegt die Schärfe nur auf einem Teilbereich der Blüte. Mit Focus Stacking ist nun die gesamte Blüte knackescharf abgebildet. Bei dem Foto wurde mit einem Einstellschlitten die Kamera auf das Motiv zubewegt.

Lust auf Focus Stacking bekommen?


Über Bernd

Bereits in meiner Kindheit musste ich Motive fotografisch festhalten. Durch eine Ausbildung im Fotohandel habe ich mich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit der Fotografie beschäftigt. Seit einigen Jahen fotografiere ich Nebenberuflich für Bildagenturen. Meine Erfahrungen aus der Theorie und Praxis möchte ich in diesem Fotoblog an andere Fotofans weiter geben.

2 Kommentare zu Extreme Makro-Fotos mit Focus Stacking

  1. Andy schrieb:

    Ein super Artikel. Richtig gut geschrieben.

    Ich habe für Makroausnahmen Zusatzlinsen, damit bin ich allerdings nicht wirklich zufrieden.
    Die Bilder sind damit nur in der Mitte fokusiert. Am Rand ist es immer ziemlich verschwommen.

    Werde deine Erfahrungen mal ausprobieren.

    Vielen Dank.

  2. Bernd schrieb:

    Hallo Andy,

    mit Nahlinsen oder Achromaten wirst du auch nicht so nah an ein Motiv, wie mit Zwischenringen oder Balgengerät kommen.
    Wichtig ist im Makrobereich Geduld und Präszision 😉

    LG
    Bernd

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