Der Belichtungsmesser ein Garant für gute Fotos?

Mit einer korrekten Belichtungsmessung bessere Fotos erzielen?

Schließlich wird ja auch die korrekte Belichtung eines Bildes als positives Bewertungskriterium empfunden.

Da werden sicherlich viele Leser denken, dass ja die Belichtungsautomatik (fast) immer perfekt ist! Stimmt dies wirklich? Nein, zumindest nicht in jedem Fall.

Und warum sind nicht alle Fotos mit automatischen Belichtungsmesser perfekt?

Mhh, dass kann viele Gründe haben. Eine Automatik ist nun mal auf eine bestimmte Konstellation bzw. Einstellung justiert. Weicht das Motiv davon ab, weicht auch die automatische Belichtung vom Idealwert ab. Um dieser Frage weiter nachgehen zu können müssen wir also erst einmal verstehen wie ein Belichtungsmesser überhaupt arbeitet?

In den fotografischen Anfängen hat man die Belichtung mit externen Handbelichtungsmessgeräten ermittelt. In den 50er und 60er Jahren gab es auch in der günstigeren Preisklasse Handbelichtungsmesser mit Selenzelen als Mess- und Stromversorgungszelle. Die Selenzelen haben den zusätzlichen Kauf von Batterien erspart. Allerdings mit dem Nachteil, dass die Selenzahlen nach 10-25 Jahren erschöft waren und somit der Belichtungsmesser unbrauchbar wurde. Ohne Strom war auch da nichts los.

Belichtungsmesser mit Selenzellen

Belichtungsmesser mit Selenzellen - Copyright Light Impression - Fotolia.com

Handbelichtungsmessser gibt es auch heute noch. In der Großformatfotografie und bei schwierigen Lichtsituationen und der Studioblichtfotografie sind sie bei gekonnter Anwendung zuverlässiger als ein in der Kamera eingebauter Belichtungsmesser. Aber die Handbelichtungsmesser sind heute weniger unser Thema. Auch wenn die Funktionsweise weitesgehenst identisch zu den eingebauten ist. Beide messen das Licht und ermitteln an Hand des Lichtwertes die möglichen Kombinationen zwischen Blende und Verschlußzeit.

Also gehen wir einfach mal von den Belichtungsmessgeräten einer heute modernen Sucher- und Spigelreflexkamera aus.

Alle Belichtungsmesser sind auf einen Grauwert von 18% kalibriert!

Was können wir daraus ableiten?

  • Wenn man damit ein weißes Motiv belichtet, wird es nicht weiß sondern grau (18% Grauwert)!
  • Wenn man damit ein schwarzes Motiv belichtet, wird es nicht schwarz sondern grau (18% Grauwert)!

Der Fotograf denkt dann „Was für ein schlechtes Foto oder was für ein schlechter Belichtungsmesser?“.
Da denkt er aber falsch. Der Belichtungsmesser hat ja alles richtig gemacht da er ja auf 18% Grauwert kalibriert ist!
Der Fotograf hat den Fehler gemacht, da er dies nicht wusste oder nicht berücksichtigt hat.

Was hätte der Fotograf anders machen können um eine korrekte Belichtung zu erzielen?

Richtig, ich höre es schon die ersten Leser laut rufen!
Die Belichtung auf einen Grauwert von 18% einstellen!
Leicht gesagt. Aber wie macht man das?
Im Fotofachhandel gibt es dafür genormte Graukarten.
Wenn man diese bei einer Bilderserie mit gleichen Lichtverhältnissen für die ersten Aufnahme belichtet, kann man danach die ganze Fotoserie auf den korrekten Grauwert angleichen.
Ein Profifotograf der auf Filmaterial belichtet wird den Beleuchtungsaufbau an Hand von Polaroid-Testaufnahmen schnell und zielsicher ermitteln.
Im Zeitalter von Digitalkameras kann man dies im Display und an Hand des Belichtungsdiagrammes grob beurteilen. Aber Korrekturen sind auch im Nachhinein mit Bildbearbeitung für die gesamte Fotoserie möglich. In Adobe Lightroom geht dies besonders komfortabel. Das Foto mit der Graukarten wird auf die Helligkeit der echten Graukarte korrigiert und dabei können auch eventuelle Farbkorrekturen vorgenommen werden.
Danach einfach die Korrekturwerte auf die anderen Fotos der Serie kopieren. Und schon hat man perfekt belichtete Fotos 😉

Wie gewichtet der Belichtungsmesser die Messung?

Was soll das für eine Frage sein? Je nach Lichtsituation ist dies eine wichtige Frage. Um gezielt die Belichtung messen zu können sollte man die Funktion der Belichtungsmessung genau kennen. Nur so kann man auch gezielt eine Aufnahme korrekt belichten. Hier gibt es bei den Kameras heute drei grundlegende Messmethoden.

Mittenbetonte Belichtungsmessung
Je nach Kamerahersteller kann hier die Gewichtung abweichen. Viele gewichten die Bildmitte mit etwas 60% und das Bildumfeld mit etwa 40%. Daraus wird ein Mittelwert vom Belichtungsmesser ermittelt. Im Prinzip ist dies die klassische Belichtungsmessmethode. Aber auch eine der weniger zuverlässigen. Wenn in der Bildmitte ein Motiv etwa einem Grauwert von 18% entspricht ist alles in Ordnung. Wenn nicht, kann es Über- oder Unterbelichtungen beim Hauptmotiv geben.

Spotmessung
Wie der Name bereits sagt wird nur ein bestimmter Punkt (= Spot) bzw. Ausschnitt gemessen. Diese Messmethode kann sehr exakt sein. Aber um diese richtig einsetzen zu können braucht man auch die Kenntnis über die Funktion und wo der Einsatz sinnvoll ist. Bei schnell bewegten Motiven wird es mit dieser Belichtungsautomatik keinen Sinn machen, da bei unruhigem Hintergrund die Belichtungsmessung sehr stark variieren wird. Bei manueller Belichtungseinstellung oder Übertragung oder statischen Motiven macht diese Messmethode durchaus Sinn. Aber auch bei entfernten Motiven wo es auf Grund hoher Kontraste im Motiv um eine exakte Messung des Hauptmotives geht.
Die Spotmessung ist zwar sehr exakt, muss aber auch mit sehr viel Überlegung angewendet werden.
Von Olympus gab es auch Kameras die eine Multispotmessung hatten und daraus einen Mittelwert gebildet haben. Unter dem Strich muss man sich aber bei einem Motiv immer für eine Bildstelle entscheiden. Da hilft dann auch eine Multispotmessung wenig, wenn der Kontrastumfang höher ist was ein Film oder Chip umsetzen kann.

Mehrfeldbelichtungsmessung
Wenn ich es richtig in Erinnerung habe war Nikon einer der ersten Kamerahersteller die eine Mehrfeldmessung (= Matrixmessung) in einer Kleinbildspiegelreflexkamera eingebaut haben. Die meisten hochwertigen Kameras arbeiten oft mit dieser sehr universellen und auch sehr präzisen Belichtungsmessmethode.
Die Belichtung wird in mehrere Belichtungszonen aufgeteilt. Wie viele ist von der Kamera und ihrer Einstellmöglichkeit abhängig. Alle Belichtungszonen werden separat gemessen. Die ermittelten Messwerte werden mit z.b. über 100.000 gespeicherten Belichtungswerten anderer Referenzfotos verglichen. Aus dieser Computerberechnung wird der optimale Belichtungswert ermittelt. Ich bin immer wieder erstaunt wie gut diese Messmethode selbst bei schwiergien Lichtverhältnissen gute bis sehr gute Messergebnisse liefert.
Bei mir ist dies die Hauptbelichtungsmessmethode. Inzwischen werden bei besseren Kameramodellen sogar die Farben bzw. Farbwiedergaben erkannt und berücksichtigt. Es wird also nicht nur auf 18% Grauwert gemessen, sondern auch die einzelnen Grundfarben dabei berüchsichtigt.

In der Praxis kann man mit diesem Grundwissen in den meisten Fällen eine korrekte Belichtung ermitteln.

Zum Thema Graukarten noch ein kleiner Tipp. Ein uralter Tipp. Wer keine Graukarte zur Hand hat, und die Hautfärbung eines Mitteleuropäers wie ich hat, kann auch alternativ die innere Handflläche zur korrekten Belichtungsmessung nehmen. Diese entspricht bei den meisten Mitteleuropäern auch einem Grauwert von 18% 😉

Zusammenfassung über Belichtungsmesser und Belichtungsmessung

  • Belichtungsmesser sind auf einen Grauwert 18% kalibriert
  • korrekte Ermittlung der Belichtung mit einer Graukarte oder Handinnenfläche
  • Matrixmessung für universelle Fotomotive
  • Spotmessung für schwierige Lichtsituationen mit hohem Kontrast (Konzertfotografie, Gegenlicht …)
  • Mittenbetonte Belichtungsmessung, wenn die Kamera nichts anderes kann

Wie man sehen kann ist die Belichtungsmessung kein großes Hexenwerk. Unwissend kann man aber manche Fehlbelichtung erzielen. Mit diesem Grundwissen hoffe ich können solche Fehler wenigstens spürbar reduziert werden.

Noch ein kleiner abschließender Hinweis. Bei Überbelichtungen kann man meist weniger retten, als bei Unterbelichtungen. Logisch wo nichts mehr ist, kann man auch nichts mehr herausholen. Im Zweifelsfall also lieber etwas unterbelichten. Aus dunklen Bildteilen kann man eher noch in der Bildbearbeitung Details heraus holen.


Über Bernd

Bereits in meiner Kindheit musste ich Motive fotografisch festhalten. Durch eine Ausbildung im Fotohandel habe ich mich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit der Fotografie beschäftigt. Seit einigen Jahen fotografiere ich Nebenberuflich für Bildagenturen. Meine Erfahrungen aus der Theorie und Praxis möchte ich in diesem Fotoblog an andere Fotofans weiter geben.

6 Kommentare zu Der Belichtungsmesser ein Garant für gute Fotos?

  1. Dimedon schrieb:

    Deine Artikel zu Fotografie werden langsam komplexer. Für den Hobbyfotografen mag das nun das richtige Niveau sein, aber ich verstehe schon nicht mehr alles.
    Ich kann dir aber auf jeden Fall zustimmen, dass die Belichtungsautomatik sich häufig genug irrt.

  2. redscorpion012 schrieb:

    Artikel die komplexer werden finde ich gut es ist dann nicht so eintönig.In dem Fall muss ich aber meinem Vorschreiber recht geben.Ich habe so einen Belichtungsmesser mal bei einer Hochzeit gesehen und da muss ich wirklich sagen das sind gut Bilder geworden.Man kann aber im nachhinein nicht sagen ob es ohne schlechter geworden wäre.Man sieht ja dann meistens nur das Endprodukt und nie den Ausschuß.

  3. engelchen schrieb:

    Ist ja auch richtig, wenn Bernd hier auch komplexere Themen reinbringt, schon aus dem Grund weil sich jemand der sich mit Fotografieren auskennt sonst langweilen würde 😉 Soll ja sicher ein Blog für Einsteiger und Profis sein. Nach zweimaligen Lesen hatte ich aber auch immer noch gewisse Schwierigkeiten zu folgen.Macht aber nichts, wenn man mit der Zeit geübter ist, kann man ja nochmals auf den Artikel zurück greifen!

  4. Knuffelpack schrieb:

    Ich denke mal wenn man Bilder macht, wo sich das Motiv nicht so schnell ändert kann man vorher dieses Gerät verwenden. Aber wenn man mal spontan ein Bild machen will weil da grad nen Super Motiv ist bleibt nicht viel zeit um mal eben das Licht zu messen.

  5. Lichtens schrieb:

    Also ich denke, dass so oder so nicht die teuerste und beste Technik, die besten Fotos ausmacht. Der Dreh- und Angelpunkt ist eindeutig der Fotograf. Die richtige Wahl des Motivs, die Idee zum Foto, die Erfahrung und Kreativität des Fotografs machen einen viel grösseren Bestandteil aus, als die Technik!

  6. Bernd schrieb:

    @ Lichtens
    100% richtig.

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