Welcher Stativkopf ist für die Foodfotografie am besten?

Seit über einem Jahrzehnt nutze ich den Dreiwegeneiger MA141RC von Manfrotto auf dem Stativ.

Für meine bisherigen fotografischen Aufgaben war er genau richtig.

Die Schnellwechselplatte ist für Kleinbild-Kamerasysteme ausreichend konstruiert.

Das Preis- Leistungverhältnis war damals im Set mit Stativ recht günstig. Nach 15 Jahren habe ich den Dreiwegeneiger als robustes Arbeitsgerät kennen gelernt. Über die drei Einstellwege kann man effizient den Bildausschnitt wählen. Für die meisten Motive eine gute Lösung.

Für Portraits, People oder schnell bewegte Motive ist solch ein Dreiwegeneiger allerdings meist ein Hindernis. Deswegen kam vor knapp zwei Jahren ein Kugelkopf hinzu. Den Sirui K10X konnte ich damals mit Stativ testen und durfte ihn auf Grund meines Berichtes als Entlohnung behalten.

Nun nach drei Jahren musste ich auch einige Schwächen an dem Kugelkopf feststellen. Zwar ist die Verarbeitung für ein Produkt aus China recht gut und präzise. Dennoch gäbe es Verbesserungspotential. Leider hat der Hersteller den gleichen Fehler im Kugelkopf eingebaut, wie man es bereits bei den Linhof-Kugelköpfen seit Jahrzehnten als Schwachpunkt kennt. Die Kugel wird durch Kunststoffbacken geklemmt. Zum einen verschleisst der Kunststoff relativ schnell, sodass dieser bei häufigen Einsatz alle paar Jahre ausgetauscht werden müsste, da sonst die Klemmkraft stark reduziert ist. Aber auch bei Minustemperaturen wird der Kugelkopf fast unbrauchbar. Bei einer winterlichen Fotowanderung durch die Weinberge, hat sich der Kunststoff stärker zusammen gezogen als die Metallteile. Bei 10 Grad Minus war kaum noch eine zuverlässige Klemmung möglich. Und die Friktion funktionierte gar nicht mehr, da die Einstellschraube durch die Kälte so fest war, dass sie nicht mehr verstellbar war. Die Schnellwechselplatte scheint für meine Nikon D300 und D7000 nicht gemacht zu sein? Zwar hat man einen roten hochstellbaren Stopper, damit die Platte sich bei Neigung nicht verdreht. Aber da beide Kameras abgerundete Gehäusekanten haben, rutscht der Stopper daran des öfteren ab.

Na ja, einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul. Kaufen würde ich mir diesen Kugelkopf mit dem heutigen Wissen nicht.

Als ich im letzten Jahr mich intensiv mit der Foodfotografie beschäftigt habe, fand ich an beiden Stativköpfen wenig Freude.
Der Kugelkopf war zwar schnell in die gewünschte Kamerposition gebracht. Aber das Gewicht einer Nikon D300 + 60 mm Makro führten bereits zu einem nachrutschen und das Motiv war nicht mehr im gewünschten Bildausschnitt.

Und der Dreiwegeneiger war zu umständlich und vor allem zu unpräzise. Also habe ich zum Grossteil aus der freien Hand fotografiert. Sollte im Studio eigentlich kein Problem sein? Falsch. Da die meisten Fotos im Nahbereich gemacht werden, kommte es meist auf Millimeter an. So waren zu Beginn sehr viele Bilder unscharf bzw. die Schärfe lag nicht an der gewünschten Stelle. Und jedes Mal fünf bis zehn Aufnahmen zu machen um vielleicht eine mit korrekter Schärfe zu haben ist nicht professionel.

Was tun?

Da fiel mir aus meiner beruflichen Zeit im Fotogrosshandel, der Manfrotto MA410 ein! Gibt es diesen noch? Kurz gegoogelt und tatsächlich, diesen Klassiker gibt es noch immer!

Der MA410 ist ein Getriebeneiger mit Schnellwechselplatte:

Getriebeneiger Manfrotto MA410

Getriebeneiger Manfrotto MA410

Der Getriebeneiger hat wie ein Dreiwegeneiger, ebenfalls drei Wege als Einstellmöglichkeit. Statt Hebel hat man dort Drehknöpfe. Wenn man daran dreht kann man den Bildausschnitt sehr exakt auf den Punkt einstellen. Um schnell in eine gewünschte Grundeinstellung zu gelangen, kann man den Feintrieb entriegeln und direkt die Grobeinstellung machen. Danach erfolgt die Feineistellung über den Feintrieb.

Weitere Pluspunkte ist eine 360 Grad Skala und eine eingebaute Wasserwaage. Die Schnellwechselplatte reicht vollkommen für Kleinbild-Systeme. Selbst leichtere Mittelformat-Systeme trägt der Kopf sehr gut. Ein Bekannter nutzt den Getriebeneiger auch mit einer kleinen Arca-Swiss Grossformat-Kamera. Die 5 Kg Traglast scheinen ein Understatement zu sein?

Und wie ist nun das Arbeiten im Fotostudio mit einem Getriebeneiger?

Ich bin begeistert!

Die grobe Einstellung geht genauso flott von der Hand wie bei einem Dreiweigeneiger. Danach kann der Bildausschnitt exakt über den Feintrieb eingestellt werden. In der Foodfotografie habe ich bisher noch nie die Gradeinteilungen und die Wasserwaage benötigt. Aber diese Features erweitern natürlich die Einsatzmöglichkeiten.

In der Praxis mache ich nun weniger Fotos von einem Motiv und die Schärfequote ist wesentlich höher als davor. Zudem muss der Bildausschnitt kaum noch per Bildbearbeitung korrigiert werden. Meist kann ich das volle Aufnahmeformat nutzen, was auch die Verkaufschancen erhöht. Viele Kunden wollen maximale Auflösung für ihr Geld. Macht zwar technisch nicht immer Sinn. Wenn man die Technik aber hat sollte man sie auch zu 100% nutzen.

Der MA410 Getriebeneiger ist übrigens mit rund 180 € der günstigste am Fotomarkt. Und das seit nun schon guten zwei Jahrzehnten! Manfrotto hat auch noch für schwereres Fotogerät grössere und teurere Getriebeneiger. Die Auswahl an Getriebeneigern ist leider am Fotomarkt sehr gering. Mir ist da derzeit noch Arca Swiss als sehr hochwertiger Hersteller bekannt. Da liegt der D3 oder D4 aber bereits bei knapp über 1000 €. Beide sind ein Konstrukt aus Kugelkopf mit Getriebefeintrieb zur exakteren Einstellmöglichkeit. Sicherlich fotografische Präzisions-Highend-Klasse.

Für meine Zwecke tut es aber der MA41o locker.

Nachteile?

1,2 Kg und das unhandlichere bzw. globige Format empfinde ich nicht als negativ, da ich ihn überwiegend im Studio und in der Landschaftsfotografie einsetze. Bei letzterem kommt es mir meist nicht auf das ein oder andere Kilo an. Stabilität hat hier bei mir Vorrang. Und diese wird durch ein höheres Gewicht erhöht.

Fazit:

Im Studio, im Nahbereich und bei Landschaftsaufnahmen ein hervorragender Stativkopf in robuster Verarbeitung. Sehr gutes Preis- Leistungverhältnis. Das Arbeiten damit macht richtig Spass!

Wer grössere Kamerasysteme einsetzt, sollte die kräftigeren Getriebeneiger von Manfrotto in Erwägung ziehen. Für das Maximum an Verarbeitungsqualität sind sicherlich die Arca Swiss D-Köpfe das Optimum.

Preisinfo und Verfügbarkeit über den Manfrotto MA410 findet man auch auf Amazon.


Über Bernd

Bereits in meiner Kindheit musste ich Motive fotografisch festhalten. Durch eine Ausbildung im Fotohandel habe ich mich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit der Fotografie beschäftigt. Seit einigen Jahen fotografiere ich Nebenberuflich für Bildagenturen. Meine Erfahrungen aus der Theorie und Praxis möchte ich in diesem Fotoblog an andere Fotofans weiter geben.

Ein Kommentar zu Welcher Stativkopf ist für die Foodfotografie am besten?

  1. Vincent schrieb:

    Interessanter Artikel. Habe mich mit dem Thema Foodfotografie und Stativen noch gar nicht auseinandergesetzt. Aber Manfrotto bietet echt klasse Qualität!

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