Praxistest Nikon PC-E Micro Nikkor 45 mm 1:2,8 ED N

Lange habe ich überlegt ob diese Anschaffung sinnvoll ist?

Bisher habe ich mit dem Nikon Micro-Nikkor AF-D 60mm 1:2,8 viele Aufnahmen realisiert.

Nahaufnahmen im Fotostudio als auch Portraits mit den DX-Kameras!

Allerdings war der Autofocus bei Personenfotos meist zu lahm. Das aktuelle 60er ist da flotter.

Aber die People-Fotografie ist für mich derzeit kein Thema mehr. Mein fotografischer Schwerpunkt ist seit zwei Jahren die Food-Fotografie.

Bei einigen Motiven habe ich eine Tilt-Funktion vermisst um die Schärfeebene beeinflussen zu können. Allerding waren und sind Tilt/Shift-Objektive für Kleinbildkameras relativ teuer. Bei Großbildkameras stellt man Tilt und Shift über das Gehäuse, die Standarden, ein.

Bei einer Kamera mit Kleinbildgehäuse muß diese mechanische Funktion im Objektiv integriert werden. Das verteuert leider das Objektiv spürbar.

Dennoch ist das Nikon PC-E 45er mit ca. 1600 € relativ günstig. Das Schneider PC-TS Super-Angulon 4,5/50 liegt preislich bei ca. 4.000 €! Ok, die Super-Angulon von Schneider sind qualitativ in der Champignons-League-Klasse. Preislich leider auch.

Also fiel mir die Wahl für das Nikon sehr leicht. Vor dem Kauf habe ich das Objektiv allerdings bei meinem Fachhändler auf meiner Kamera erst mal getestet und für den Fall der Fälle eine Umtauschmöglichkeit innerhalb von zwei Wochen vereinbart.

Ich nehme es vorweg. Eine Rückgabe gab es nicht 😉

PC-E Micro-NIKKOR 45 mm 1:2,8D ED mit Tilt/Shift

PC-E Micro-NIKKOR 45 mm 1:2,8D ED mit Tilt/Shift

Technische Daten Nikon PC-E Micro Nikkor 45 mm 1:2,8 ED N:

  • 11,5 mm Verschiebung Shift
  • 8,5 Grad Verschiebung Tilt
  • Das Objektiv kann mechanisch gedreht werden, sodaß Tilt oder Shift sowohl im Hoch- als auch Querformat anwendbar ist
  • 9 Linsen in 8 Gruppen
  • Nanokristall-Vergütung reduziert Phantombilder
  • ED-Linsen sorgen für sehr guten Kontrast
  • Blende von 2,8 bis 32
  • 9 Blendenlamellen mit abgerundeten Ecken
  • Naheinstellgrenze 0,253 m
  • Maximaler Abbildungsmaßstab 1:2
  • Filtergewinde 77mm
  • Gewicht ca. 740g
  • Bajonett-Gegenlichtblende HB-43 + Objektivtasche CL 1020 im Lieferumfang beinhaltet

Ach ja, einen Autofocus gibt es bei dieser Konstruktion nicht.

Macht auch wenig Sinn, da man sowohl im Makrobereich, als auch beim verstellen der Tilt und Shift-Möglichkeiten sowieso vom Stativ arbeitet und sehr exakt focusieren muß.

Tomatensalat mit Feta und Basilikum

Tomatensalat mit Feta und Basilikum

Da ist eine manuelle Focusierung die bessere und exaktere Variante. Als alter Analog-Fotograf habe ich damit kein Problem. Im Gegenteil. Mir macht mit diesem Objektiv das Fotografieren viel mehr Spaß!

Beim focusieren merkt man, daß Nikon hier eine sehr gute Mechanik integriert hat. Butterweiche aber nicht zu leichte Focusierung ist damit möglich. Subjektiv viel präziser als mit vielen Autofocus-Objektiven, welche meist viel mehr Spiel im Feintrieb haben.

PC-E Micro-NIKKOR 45 mm 1:2,8D ED

PC-E Micro-NIKKOR 45 mm 1:2,8D ED

Die optische Qualität ist hervorragend. So wie es sich für ein mechanisches Makro-Objektiv gehört. Die ED-Linsen und die Nano-Kristall-Vergütung bringen eine knackige Schärfe und Brillanz.

Damit man die Tilt und Shift-Funktion sowohl im Hoch- als auch Querformat nutzen kann, lässt sich diese mechanische Funktion drehen. Zur Sicherung vor Verstellungen gibt es dafür ein Feststellschräubchen.

Chili-Sorte Mini-Bonnet

Chili-Sorte Mini-Bonnet

Wer noch nie mit der Tilt und Shift-Funktion gearbeitet hat, wird sich am Anfang schwer tun. Sowohl der Sucher als auch das Display sind oft zu klein um die Einstellung 100%ig richtig beurteilen zu können. Zumindest mir geht es oft so. Im Studio mache ich Aufnahmen mit verschiedenen Einstellungen und suche mir später am Monitor die passende heraus.

Das geht sicherlich auch einfacher. Über die Abblendtaste. Anschluß am PC oder MAC und betrachtung am größeren Monitor.

Bei welchen fotografischen Aufgaben kann man ein Tilt / Shift Objektiv sinnvoll einsetzen?

Der Klassiker ist die Architektur-Fotografie, um stürzende Linien zu korrigieren. Es gibt Fotografen die behaupten, daß dies mit Bildbearbeitung heute einfacher und leichter geht. Mag sein. Ich halte solche Aussagen für Meinungen von Laien oder Leuten die zu bequem sind oder noch nie damit gearbeitet. Gute Fotografen brauchen keine oder kaum eine Nachbearbeitung. Diese kostet oft nur zusätzliche  Zeit. Und Zeit ist für jeden Fotografen Geld. Zudem ist die Wirkung nicht identisch und Bildinformationen gehen auch verloren.

Weitere Einsatzmöglichkeiten sind in der Landschaftsfotografie um die Schärfeebene zu kippen. Dadurch kann man eine Blumenwiese von vorne bis hinten scharf ablenden, ohne stark abblenden zum müßen!

Entrecote mit Blattsalat

Entrecote mit Blattsalat

Den gleichen Effekt nutze ich auch manchmal in der Food-Fotografie, wenn ich in ein Motiv auf einer Fläche gleichmässig Schärfe legen möchte.

Das ganze lässt sich aber auch gestaltersich umkehren. Sodaß nur ein Bruchtail scharf abgebildet wird. Der Rest verschwimmt stark in Unschärfe. Der Effekt ist auch vom Aufnahmeabstand abhängig. Schärfe und Unschärfe kann man damit also sehr gut gesatlterisch einsetzen.

Und die Tilt-Verstellung kann man dafür nutzen, um störende Objekte oder die Spiegelung des Fotografen aus dem Bild zu zaubern 😉

Vorteile Nikon PC-E Micro Nikkor 45 mm 1:2,8 ED N

  • Tilt + Shift-Möglickeit
  • Ausgleich von stürzenden Linien mit Tilt-Funktion
  • Verstellung der Schärfeebene mit Tilt-Verstellung
  • Gestalterische Unschärfe durch Tilt-Einstellung
  • Saubere gestitchte Panoramaaufnahmen mit der Shift-Funktion
  • Störende Objekte können durch seitliches Shiften evtl. aus dem Bild entfernt werden
  • Spiegelungen des Fotografen in Objekten können evtl. durch seitliches Shiften beseitigt werden
  • Knackige Schärfe
  • Sehr guter Naheinstellbereich
  • präzise Focusierung durch sehr gute Feinmechanik möglich

Nachteile Nikon PC-E Micro Nikkor 45 mm 1:2,8 ED N

  • Hoher Preis
  • Wissen und Übung erforderlich um die Tilt + Shift-Möglichkeiten richtig einsetzen zu können
  • Kein Autofocus (Für die meisten Motive kein Nachteil – dennoch empfinden manche Laien dies als Nachteil)

Fazit Nikon PC-E Micro Nikkor 45 mm 1:2,8 ED N

Die gestalterischen Möglichkeiten erhöhen sich bei einem Tilt / Shift-Objektiv spürbar.

Nicht nur stürzende Linien bei Archtektur-Aufnahmen kann man damit ausgleichen. Auch die Schärfeebene läßt sich kippen und verändern und somit als gestalterisches Element einsetzen.

Die optische Qualität von diesem 45mm Makro-Objektiv ist hervorragend. In einigen Tests hat es am besten von den den drei Nikon PCE-Objektiven abgeschnitten. Mit abblenden verbessert sich auch die optische Qualität im Randbereich spürbar. Für meine Food-Motive spielt das aber selten eine Rolle. Da zählt die Schärfe in der Mitte bzw. leicht versetzt davon. Da erfüllt das Objektiv meine Anforderung 100%ig.

Die mechanische Qualität ist ebenfalls Spitze. So wie man es von vielen der älteren mechanischen Objektiven von Nikon gewohnt ist.

Wer nur ein Makro-Objektiv sucht, kann sich den Kauf sparen. Da gibt es mit den Micro-Nikkoren günstigere Alternativen. Wer aber die Möglichkeiten der Tilt und Shift-Verstellung braucht oder kreativ nutzen möchte, wird gefallen an diesem gelungen Nikon-Objektiv finden.

Über Bernd

Bereits in meiner Kindheit musste ich Motive fotografisch festhalten. Durch eine Ausbildung im Fotohandel habe ich mich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit der Fotografie beschäftigt. Seit einigen Jahen fotografiere ich Nebenberuflich für Bildagenturen.Meine Erfahrungen aus der Theorie und Praxis möchte ich in diesem Fotoblog an andere Fotofans weiter geben.

4 Kommentare zu Praxistest Nikon PC-E Micro Nikkor 45 mm 1:2,8 ED N

  1. Matthias schrieb:

    Sehr cooles Spezialobjektiv. Ich komme aktuell noch mit einem „normalen“ Makro Objektiv (60mm f/2.8) aus. Um das Bild gut beurteilen zu können, setze ich ein Tablet mit WLAN-Router (http://geotagging-blog.de/2014/05/tp-link-mr3040-wlan-kamera-fernsteuerung-mit-dslrdashboard/) ein.
    Vielleicht ist das auch was für dich.

  2. katzenkindchen Petra schrieb:

    Hallo Bernd!
    Herzlichen Glückwunsch zu deinem neuen Spielzeug 🙂
    Ein Objektiv der Begierde für 4 Mille, nicht von schlechten Eltern.
    Ich hätte gerne mal ein Vergleichsfoto gesehen.
    Kamera mit neuem Objektiv und ein identisches Bild mit dem alten System.
    Das wäre spannend gewesen.
    OK, ich hab jetzt keine Ahnung, ich frage mich nur ob die Anschaffung sich „lohnt“ oder eben nur „haben will“ ist.
    Deine Food-Fotos sind spitze, keine Frage, schliesslich lese ich hier mit 😉

    Hab viel Freude mit deiner neuen Foto-Knips-Maschine *g*

    Liebe Grüsse
    katze

  3. Bernd schrieb:

    Hallo Petra,

    4.000 kostet das Schneider.
    Das Nikon ist mit ca. 1.500 € verhältnismässig günstig.
    Ein 50 – 60 mm Makro, je nach Hersteller gibt es schon unter 500 €.

    Letztere sind optisch meist auch sehr gut.
    Halt ohne Tilt und Shift.

    Von Vergleichsfotos halte ich im Internet wenig.
    Bei 72px Auflösung kann man nicht die reale Qualität geschweige den einen Unterschied darstellen.
    Ich verlasse mich da lieber auf mein eigenes Auge.

    Liebe Grüße
    Bernd

  4. Tanja schrieb:

    Vielen Dank für die umfangreiche Information.
    Außerdem auch ein großes Kompliment für die außerordentlich interessante Seite.
    LG Tanja

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