Praxistest Fujifilm XF 60 mm 2,4 R Makro

Nachdem ich von Nikon auf Fuji komplett umgestiegen bin, vermisste ich am Anfang ein Makroobjektiv. Da ich viele Motive im Fotostudio im Nahbereich fotografiere, ist die optische Leistung einer Makrooptik meist sichtbar besser.

Fuji XF 60 mm 1:2,4 Macro
Fuji XF 60 mm 1:2,4 Macro

Meine Wahl fiel damals auf das Fuji XF 60 mm. Trotz einiger kritischer Stimmen in Foren und anderen Seiten. Dort wurde der mutmaßlich langsame Autofokus und der zu geringe Abbildungsmaßstab 1:2 kritisieren. In meiner Praxis fand ich diese Kritikpunkte nicht bestätigt. Aber dazu später.

Technische Daten Fujifilm XF 60 mm 2,4 R Makro

  • 10 Linsenelemente in 8 Gruppen, davon eine asphärische und eine ED-Linse
  • Super EBC (Elektron Beam Coating) Vergütung
  • Brennweite 60 mm (entspricht 91 mm bei Kleinbild)
  • Größte Blende 2,4
  • Kleinste Blende 22
  • 9 Blendenlamellen
  • 20 Blendenstufen in 1/3 Werten
  • Filterdurchmesser 39 mm
  • Naheinstellgrenze 26,7 cm
  • Abbildungsmaßstab 1:2
  • Gewicht 215 Gramm

Neun gerundete Blendenlamellen ist für das kleine handliche Objektiv ganz gut und verspricht ein schönes Bokeh. In der Praxis fand ich das schnell bestätigt.

Schmetterling orange Permuttfalter (Argynnis)
Schmetterling orange Permuttfalter (Argynnis)

Die Schärfeleistung ist hervorragend. Bei Freihand-Aufnahmen vermisse ich häufig einen Bildstabisator. Allerdings wäre damit das Objektiv viel größer, schwerer und auch teurer. Inzwischen habe ich im Freien meist einen Bohnensack oder ein Stativ dabei und im Nahbereich auch die maximale Schärfeleistung herauszuholen. Bei sonnigem Wetter und anderen Motiven wie Landschaft und Portrait gelingen Frei-Handaufnahmen problemlos. Wobei ich die meisten Aufnahmen mit dem XF 60 mm im Fotostudio von Food und Stilllife mache. Und da kommt fast immer ein Stativ zum Einsatz.

Eichenblatt im Herbst
Eichenblatt im Herbst

Sehr gut finde ich die Schärfeleistung ab Blende 2,8. Bei Blende 4 bis 5,6 hat mein Objektiv die maximale Schärfeleistung. Selbst bei Blende 8 sieht man noch kaum Beugungsunschärfe. Die wird langsam ab Blende 11 aufwärts sichtbar.

Schnecke mit Schneckengehäuse
Schnecke mit Schneckengehäuse

Viele Fotografen werden durch den Abbildungsmaßstab 1:2 vor einem Kauf abgeschreckt. Dabei begehen diese Personen eine gravierenden Denkfehler. Mit 1:2 bei Fuji APS-C habe ich den identischen Bildausschnitt wie bei Vollformat und 1:1! Warum übersehen das so viele Leute? Wer unbedingt 1:1 benötigt kann sich bei Fuji für das XF 80 mm entscheiden.

Das Filtegewinde mit 39 mm Durchmesser finde ich seltsam. Auf der anderen Seite gefällt mir die sehr kompakte Bauweise von dem Objektiv. Und ein Reduzierring für bestehende Filter kostet nicht die Welt. Sehr gut gefällt mir die robuste Gegenlichtblende aus Metall.

Vorteile Fujifilm XF 60 mm 2,4 R Makro

  • Sehr geringes Gewicht
  • Sehr hohe optische Qualität
  • Schönes weiches Bokeh

Geringes Gewicht und dennoch robuste Bauweise. Sehr gute optische Qualität mit hervorragender Schärfeleistung. 9 Lamellenblenden sorgen für ein harmonisches Bokeh.

Nachteile Fujifilm XF 60 mm 2,4 R Makro

  • langsamer Autofokus
  • kein Bildstabilisator
  • keine Innenfokusierung

Es gibt doch einige Anwender, welche die Geschwindigkeit des Autofokus bemängeln. Zum einen stammt diese Kritik noch aus Zeiten mit älteren Fuji-Kamaera-Generationen. Zum anderen hat ein Makroobjektiv viel längere Einstellwege. Inzwischen gibt es zwei weitere Kamera- und Sensor-Generationen bei Fuji, wo der Autofokus mit diesem Objektiv spürbar schneller geworden ist. Es gibt sicherlich Objektive mit schnellerer automatisierten Fokusierung. Allerdings sind das entweder keine Makroobjektive oder es sind wesentlich teurere Makrooptiken.

Weinflasche im Gegenlicht
Weinflasche im Gegenlicht

Technisch gesehen wäre durch Utraschall-Motoren eine schnellere Fokusierung denkbar. Allerdings wird das Produkt dadurch dicker, größer, schwerer und vor allem teurer. Wer schnelleren Autofokus im Makrobereich möchte, kann bei Fuji auch alternativ das teurere XF 80 mm wählen.

Die Optik hat keine Innenfokusierung, was die Geschwindikeit auch verbessern könnte. Allerdings ist dies auch nicht störend, da die Frontlinse über einen Tubus bewegt wird, welcher nicht über das Objektivgewinde hinsaugeht. Da das Filtergewinde separat am Aussengehäuse sitzt, kann man auch einen Polfilter einsetzen und muß diesen bei Entfernungsänderungen nicht nachstellen.

Das die Optik keinen Bildstabilisiator hat ist auch ein Vorteil! Dadurch konnte es leicht und kompakt konstruiert und gebaut werden. Für Fans von Bildstabilisatoren gibt es alternativ das Fuji XF 80 mm.

Fazit Fujifilm XF 60 mm 2,4 R

Am Anfang war ich von diesem Makro-Objektiv enttäuscht. Das lag aber an der Umstellung von Nikon-Vollformat zur Fuji Systemkamera. Vieles war neu. Ich habe damals viele verschiedene Fehler gemacht. Nach ein paar Wochen hatte ich mich an das neue Kamerasystem gewöhnt. Inzwischen auch an das XF 60 mm.

Korkenzieher in Weinflasche
Korkenzieher in Weinflasche

Im Fotostudio ist es bei mir inzwischen das am meisten genutzte Objektiv. Für Food- und Stilllife-Aufnahmen ein perfektes Objektiv. Selbst im Nahbereich funktioniert der Autofokus fast immer perfekt! Ehrlich gesagt, war das Nikon AF-S 105 mm mit der D610 wesentlich schlechter. Nicht von der optischen Qualität. Aber in der Anwendung und beim Autofokus. Da musste ich im Nahbereich fast immer manuell fokussieren. Da ich Brillenträger bin war das mit der Nikon häufig schwieriger als mit der Fuji X-T2 und dem XF 60. Hier hatte ich auf Grund der Kritiken über den Autofokus schlechteres erwartet. Die Praxis bewies das Gegenteil. Für statische und nur gering bewegte ein sehr gutes Makroobjektiv.

Wer dagegen bewegte Motive, wie Insekten, fotografieren möchte, dem dürfte eher das XF 80 mm mit Bildstabilisator und 1:1 Abbildungsmaßstab zusagen. Mit beiden Techniken wird er häufiger gute Ergebnisse erzielen.

Für mich ist es ein hervorragendes, handliches, leichtes Makroobjektiv, was ich sehr oft einsetze. Wer schnelleren Autofokus und Bildstabilisator benötigt wird mit dem XF 80 mehr Freude haben. Den Preis mit 600 – 700 € halte ich für OK. Sicherlich kein Schnäppchen. Für ein sehr gutes Makroobjektiv normales Preisniveau.

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  1. Fotografie, Kampfsport & Fitness Peter Hoffmann 16. September 2019

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