Braucht man im digitalen Zeitalter einen Polfilter?

Braucht man im digitalen Zeitalter überhaupt noch einen Polfilter?

Den Effekt kann man doch auch mit Bildbearbeitung nachträglich simmulieren.

Richtig, das könnte man. Allerdings ensteht so ein weiterer Arbeitschritt der meist zeitaufwändiger ist, als eine Aufnahme mit Polfilter. Selbst mit einer abgespeicherten Aktion passt diese selten für alle Motive und muss zeitaufwändig im Effekt nachbearbeitet werden.

Wozu braucht man überhaupt einen Polfilter?

Ein Polfilter filtert nichtmetallische Reflektion.
Ein Foto erscheint dadurch farbintensiver. Reflektionen auf glatten Oberflächen und Wasser können so reduziert oder vermieden werden. Allerdings gibt es auch Motive, wo gerade diese Reflektionen dem Bild mehr Tiefe geben oder wo eine Reflektion sogar das Motiv ist. Ein Polfiler schluckt Licht.

Der Einsatz von einem Polfilter sollte also gezielt erfolgen. Dazu muss man aber wissen was ein Filter bewirkt.

Deshalb zeige ich euch erst einmal zwei Bildbeispiele:

Hausfassade ohne Polfilter

Hausfassade ohne Polfilter

Hausfassade mit Polfilter

Hausfassade mit Polfilter

Man kann sehr gut erkennen, dass der Kontrast höher wird und die Farben intensiver wieder gegeben werden. Hier noch ein zweites Beispiel:

Fachwerkhaus ohne Polfilter

Fachwerkhaus ohne Polfilter

Fachwerkhaus mit Polfilter

Fachwerkhaus mit Polfilter

Ob nun ein Motiv mit oder ohne Polfilter besser aussieht ist wohl persönliche Geschmackssache. Bei manchen Motiven verbessert der Polfilter allerdings den Eindruck.

Bei Architekturmotiven wirkt ein hoher Kontrast und eine hohe Farbsättigung bei vielen Motiven besser. Bei Naturaufnahmen erhöht ein Polfilter ebenfalls die Farbintensität und kann somit zur einem bessere Foto führen.

Da ich mir vor ein paar Monaten die Nikon-Objektive 24 -70 mm und 70-200 mm mit Lichtstärke 2,8 gekauft habe, passte mein bisheriger 72 mm Polfilter nicht mehr. Also habe ich mir einen neuen zugelegt.

Was waren die Kriterien für meine Kaufentscheidung?

  • Ein Zikular-Polfilter musste es sein, da ein linearer bei Kameras mit Autofocus und TTL-Belichtungsmessung zu Fehlbelichtungen führen könnte.
  • Ein Mehrschichtenvergüteter sollte es sein, damit die optische Qualität hoch und Lichtreflexe gering bleiben sollen.
  • Eine Slim-Version sollte es sein, damit ich ihn auch mit dem 12 – 24 mm Zoom verwenden kann. Wer den Polfilter nicht für extreme Weitwinkel einsetzt, sollte zur normalen Dicke greifen, da diese meist günstiger ist und auch griffiger im Einsatz ist.
  • 77 mm sollte der Filterdurchmesser sein damit er auf alle vorhandenen Objektive passt. Für die Objektive mit geringeren Durchmesser sind bereits hochwertige Reduzierringe vorhanden.
  • Ein Markenprodukt sollte es sein, da Billigprodukte die optische Qualität sichtbar reduzieren können.
  • Es braucht kein Käsemann-Polfilter sein, da mir diese spezielle Verkittung nach Käsemann nichts bringt. Käsemann bringt keine optischen Vorteile. Dieses falsche Gerücht geistert wohl auf Grund des höheren Preises immer noch durch das WWW. Wer aber den Polfilter in staubigen und feuchten Orten einsetzt, wird zu einem Käsemann greifen da dieser sicher abgedichtet ist.

Bei der Suche nach einem Zirkular-Polfilter, der diese Anforderungen erfüllt, bin ich auf den B + W MRC SLIM gestossen. Ein Preisvergleich lohnt sich in jedem Fall. Den Filter kann man zwischen 120 und 200 € bekommen! Mit 200 € wäre ein Käsemann sogar etwas günstiger. Mit 120 ist er ohne Käsemann günstiger.

Wo setze ich den Polfilter ein?

  • Landschaftsfotografie um die Farben intensiver darzustellen.
  • Landschaftsfotografie um Reflexionen auf Laub oder Wasser zu reduzieren.
  • Architekturfotografie um den Kontrast zu erhöhen und die Intensität der Farben zu erhöhen.
  • Bei der Fotografie von Wasserfällen und Bächen um eine längere Belichtungszeit zum verwischen von fliessenden Wasser zu bekommen. Zudem können durch den Polfilter die Farben intensiver dargestellt werden.

Heute habe ich den Filter zum ersten Mal getestet. Auch um mich in die Zweitkamera Nikon D7000 etwas einzuarbeiten. In den nächsten Wochen werde ich den Polfilter bei weiteren Naturmotiven zum Einsatz bringen. Auf meinen toDo-Liste stehen dafür bereits einige Motive.

Ein Polfilter ist auch im digitalen Zeitalter eine sinnvolle Investition, welche mir bei manchen Motiven die nachträgliche Bildbearbeitung erspart oder zumindest reduziert.


Über Bernd

Bereits in meiner Kindheit musste ich Motive fotografisch festhalten. Durch eine Ausbildung im Fotohandel habe ich mich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit der Fotografie beschäftigt. Seit einigen Jahen fotografiere ich Nebenberuflich für Bildagenturen. Meine Erfahrungen aus der Theorie und Praxis möchte ich in diesem Fotoblog an andere Fotofans weiter geben.

Ein Kommentar zu Braucht man im digitalen Zeitalter einen Polfilter?

  1. Jens schrieb:

    Ein guter Artikel. In Bezug auf die Reflexionen gibt es in der Tat kaum eine Alternative zum Polfilter.
    Wem es nur um einen Blauen Himmel geht, der hat in Lightroom die Möglichkeit gezielt den Blauwert zu bearbeiten hinsichtlich Helligkeit und Sättigung und erzielt so einen ähnlichen Effekt.

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